Plötzlich pflegebedürftig

Die Gesellschaft wird immer älter. Der Betreuungsbedarf steigt.Foto: Alexander Volkmann
Die Gesellschaft wird immer älter. Der Betreuungsbedarf steigt.Foto: Alexander Volkmann
Foto: TA
Ein Sturz im hohem Alter ist oft der Auslöser. Der Sozialdienst im Krankenhaus hilft, die anschließende Betreuung zu organisieren. Beratungsbedarf verdoppelt

Huckingen..  Ein schwerer Sturz in fortgeschrittenem Alter, und plötzlich ist alles anders. Damit müssen auch Irmgard und Heinz Schmidt (Name von der Redaktion geändert) aus Wanheim klarkommen. Die Ehefrau ist vor einem Monat so schwer gestürzt, dass sie nun bettlägerig ist. In dieser Woche wird sie aus dem Malteser Krankenhaus St. Anna entlassen. „Es ist alles vorbereitet“, sagt der fürsorgliche Ehemann. Michael Stasius, der Sozialarbeiter des Krankenhauses, hat das Ehepaar beraten und die nötigen Schritte eingeleitet.

Im Esszimmer der Wohnung steht nun ein Pflegebett, ein ambulanter Pflegedienst wird zweimal am Tag kommen. Ansonsten kümmert sich der Ehemann. „Das ist doch selbstverständlich nach über 50 Jahren Ehe“, sagt Heinz Schmidt.

Pflegestufe: meist in drei Tagen

Michael Stasius ist seit 1987 im Sozialdienst des Anna-Krankenhauses tätig. Die Arbeit hat sich seitdem verdoppelt, weshalb zum Mai eine zweite Vollzeitkraft einsteigt. „Die Patienten werden immer älter und kränker. 70 Prozent unserer Kontakte sind über 70 Jahre alt“, so Stasius. Trotzdem verdrängen viele, dass sie pflegebedürftig werden könnten, und stehen plötzlich hilfslos da.

Der Sozialdienst wird vom Arzt darüber informiert, dass der Patient künftig nicht mehr alleine zurechtkommt. In der Regel nimmt Stasius dann so schnell wie möglich Kontakt zum Medizinischen Dienst auf, um eine Pflegestufe zu beantragen. „Das ist meist in drei Tagen geklärt.“ Parallel stellt er Kontakt zu Pflegediensten und Heimen her – zu denen der Malteser, „aber natürlich auch zu anderen“, wie Stasius betont.

Viele wollen nicht ins Heim

Pflegeheimplätze sind in spätestens zwei Wochen verfügbar. Allerdings wollen die meisten Patienten nicht in ein Heim, so Stasius’ Erfahrung. Also versucht er zu helfen, eine Pflege zu Hause zu organisieren. Doch ohne den Einsatz der Angehörigen ist dies oft nicht möglich. Das Pflegegeld (468 Euro bei Pflegestufe I) reicht nicht lange, wenn man einen professionellen Dienst engagiert.

Auf die Straße gesetzt werde niemand, versichert der Sozialarbeiter. Stasius beteuert: „Wir lassen niemanden unversorgt. Zum Glück haben wir ja ein Netzwerk, zu anderen Malteser-Einrichtungen wie der Geriatriepflege in Homberg zum Beispiel.“