Das aktuelle Wetter Duisburg 10°C
Wedau

Pfusch am Bau

10.12.2010 | 16:14 Uhr
Pfusch am Bau

Wedau.Die Geschichte spielt eigentlich in Rheinberg. Aber damit befasst sind ein Bauunternehmen von der Neidenburger Straße und die Duisburger Staatsanwaltschaft. Es geht um Pfusch am Bau.

Fahrettin Ertürk (40) ist, wie so viele seiner Landsleute, kinderreich. Vier Kinder hat die Familie und er seinen Arbeitsplatz als Industriemechaniker bei Thyssen in Hamborn.

Im Sommer 2008 erwarb der Dortmunder über eine Bank eine ein Jahr alte Doppelhaushälfte in Rheinberg - im Rohbauzustand. Sie kostete ihn damals 125 000 Euro.

Arbeitskollegen empfahlen ihm, das Wedauer Bauunternehmen eines Landsmannes mit dem Innenausbau zu be­auftragen. Und mit ihm schloss der Familienvater im September 2008 einen Generalübernehmervertrag, der nur wenige konkrete Angaben über Kosten und Art der Ausführung der einzelnen Gewerke enthält, wohl aber, dass dafür pauschal 50 000 Euro zu zahlen sind und davon 30 %, bevor auch nur eine einzige Leistung erbracht wurde.

Bald nach Beginn der Bau­ar­beiten stellte Ertürk fest, dass die handwerkliche Ausführung seinen Vorstellungen von Solidität nicht entsprach. „Es fehlten Kunststoffummantelungen an der Fußbodenheizung“, berichtet er. „Die Heizkreise dafür sind nicht in ei­nem Stück verlegt und für die Durchführung von Leitungen zur Solaranlage auf dem Dach nicht spezielle Dachpfannen verwendet, sondern Lüftungspfannen einfach um­funk­tioniert worden.“ Ertürk überwarf sich mit dem Bauunternehmer und liegt seitdem mit ihm vor Gericht. Eine Nachbesserung lehnte er ab.

Im April 2009 hatte Ertürk an den Generalunternehmer be­reits 34 000 Euro bezahlt. We­nig später bezifferte ein von ihm beauftragter Gutachter die Kosten für die vertragsgemäße Fertigstellung seines Hau­­­­ses auf weitere 31 000 Euro. Der Unternehmer wäre mithin mit rund 15 000 Euro überbezahlt.

Bei seinen Recherchen fiel dem Bauherrn die Abnahmebescheinigung über seine Gasheizung in die Hände. Die hatte ein Mülheimer Installateur am 5. November 2008 ausgestellt, der seinen Betrieb be­reits mehr als ein Jahr zuvor, Ende September 2007, wegen Insolvenz einstellen musste. Der Geschäftsführer dieser Firma, so teilte deren Insolvenzverwalter Ertürk Ende 2009 mit, sei nicht mehr be­rechtigt, Leistungen durchzuführen. Die maßgebliche fachliche Zu­lassung durch die Mül­heimer Stadtwerke hatte die Firma je­doch nicht zurückgegeben, hatte vielmehr auch nach ihrer Insolvenz noch an Schulungsterminen teilgenommen, so­dass den Stadtwerken das nicht auffiel.

Ertürk witterte Betrug und er­stattete unter anderem we­gen der Gasheizung Strafanzeige. Die Art und Weise aber, wie die Staatsanwälte damit bislang um­gingen, beleuchtet, dass es keineswegs selbstverständlich ist, dass sorgfältig ermittelt wird. Dabei hatte ein Sachverständiger dem Bau­herrn Ende Au­gust 2009 testiert, dass die Gas­heizung eben nicht, wie be­scheinigt, nach den „an­erkannten Re­geln der Technik“ erstellt wurde. So seien die Gasrohre un­ter den Wasserrohren verlegt worden, wo­durch langfristig Korrosionsschäden daran nicht erkannt oder ausgeschlossen werden könnten. Gasströmungswächter, die ei­nen Gasaustritt sofort melden würden, fehlten. Und die Verbindungen der Leitungen könnten abgeschraubt werden, obwohl das zum Schutz vor Selbsttötung nicht sein dür­fe.

Martin Kleinwächter

Facebook
 
Kommentare
13.12.2010
09:39
Pfusch am Bau
von Schwafheimer | #3

Stand der Technik und so weiter .

Ja ja, dann wird der Gutachter geholt, dann holt die Gegenseite einen weiteren Gutachter und am Ende werden beide Gutachten nicht anerkannt und es kommt ein weiterer Gutachter ins Spiel.


Ich glaube ein Haus bauen hat mit mehr Glück zu tun als die Lotterie. Nur beim Lotto weiß man, dass mann zu 99,99% nicht gewinnt.

11.12.2010
15:26
Blockierter Kommentar.
von ruhrpottbajuffe | #2

Dieser Kommentar wurde von einem Moderator blockiert.

11.12.2010
10:08
Pfusch am Bau
von HeinzK. | #1

Da hat bestimmt der Sauerland seine Finger im Spiel.
Meine Freunde aus der gemeinnützigen Schreinerei sind da ähnlicher Meinung.

Trackbacks

Die Trackback URL zu diesem Artikel ist: http://www.derwesten.de/services/trackbacks/article/4044634/create

Top Artikel aus der Rubrik
Aktuelle Fotos und Videos
Schützenfest in Großenbaum
Bildgalerie
Schützenfest
Duisburg in Trümmern
Bildgalerie
2. Weltkrieg
Die Duisburger Kandidaten
Bildgalerie
Landtagswahl 2012
Aus dem Ressort
Sankt-Sebastianer erwarten den Bundeskönig
Brauchtum
Zum diesjährigen Schützen- und Volksfest der Sankt-Sebastianus-Schützenbruderschaft hat sich der Bundeskönig der historischen Deutschen Schützenbruderschaften, Thomas Stahl aus Bassenheim an der Mosel, angekündigt. Er wird auf Einladung von Bruderschafts- und Diözesankönig Jürgen Meinertz am...
„Latein lebt“
Schulen
Einen Computer gibt es in fast jedem Haushalt. Aber nicht alle wissen vermutlich, dass sein Name auf das Lateinische zurückgeht. „Computare heißt rechnen“, erklärt Eva Noack, Lateinlehrerin an der Gesamtschule Süd.