Pfarrer beklagt mangelndes Engagement
21.01.2013 | 20:24 Uhr 2013-01-21T20:24:00+0100
Bissingheim/Wedau. Im Kirchenstreit von Bissingheim geht es auch um die Misere der Katholischen Kirche. Wer trägt Schuld? Ist überhaupt jemand verantwortlich? Sagen Sie uns Ihre Meinung!
Wer ist Schuld an der Misere der katholischen Kirche? Die Leute, die nicht in die Kirche kommen und nicht mitmachen? So sagt es der Kirchenvorstand von St. Judas-Thaddäus. Die Kirche, weil sie kein ausreichendes und attraktives Angebot schafft? So sagen es viele Gemeindemitglieder.
Nur acht von 18 Kindern seien zuletzt im Sonntagsgottesdienst gewesen, beklagte Gemeindereferentin Ingeborg Bongardt bei der Gemeindeversammlung in Wedau (wir berichteten ausführlich). Dabei sei Anwesenheit doch Pflicht in der Vorbereitung auf die Erstkommunion. Eltern hielten dagegen, dass viele Kinder die Lust verlieren, weil ihnen der Bezug zu ihrer Heimatkirche in Bissingheim fehle.
Noch ein Beispiel für die Distanz zwischen Gläubigen und Geistlichen: Cornelius Krekel, der seine Kommunion in einer anderen Gemeinde gefeiert hatte, versuchte den Pfarrer versöhnlich von der Bedeutung der Erstkommunion zu überzeugen. „Es geht doch darum, in die Gemeinschaft aufgenommen zu werden.“ Da müsse doch zumindest für die Familien Platz in der Kirche sein und niemand draußen stehen müssen. Die Familien wolle er eigentlich gar nicht dort haben, entgegnete Pfarrer Roland Winkelmann. Für ihn sei die Erstkommunion ein Fest für die Gemeinde. Den normalen Gemeindemitgliedern müsse er aber sagen, dass sie an diesem Tag besser zu Hause bleiben.
Ganz anders sehe es an normalen Gottesdiensttagen aus. Da seien es manchmal nur 30 Gläubige in Bissingheim im Gottesdienst. (Gemeindemitglieder sprechen von bis zu 60.) Pfarrer Winkelmann wurde zornig. Er rief in den Raum: „Wo sind denn all diese Leute?“
Als Winkelmann und Bongardt nachfragten, wer denn bereit sei, ehrenamtlich mitzuarbeiten, meldete sich nur eine Frau. Sie würden ja mitmachen, sagten andere. Aber unter diesen Bedingungen wollen sie sich nicht freiwillig einbringen.
14:17
Ich möchte den Menschen, die einen Gemeindekrieg anzetteln wollen einen Spruch
mit auf den Weg geben:
„Das große Karthago führte drei Kriege. Nach dem ersten war es noch mächtig. Nach dem zweiten war es noch bewohnbar. Nach dem dritten war es nicht mehr aufzufinden.“
-Zitat Bertolt Brecht-
…und hoffe das unsere Gemeinde an dem sinnlosen Streit nicht zerbricht.
11:34
Ich frage mich: Geht so Christsein? Wenn man als Bissingheimer noch nicht mal mit den Mitchristen in Wedau gemeinsam etwas tun will? Wenn es bei der Erstkommunion in erster Linie um die Familienparty geht? - Ich glaube, daran krankt die Kirche. Es fehlt ihr an Menschen, denen man abnimmt, dass sie nach dem Evangelium leben, sich für andere Menschen einsetzen, nicht nur an ihre eigenen Wünsche denken und für die die Kirche nicht nur ein Heimatverein ist. Pfarrer Winkelmann und Frau Bongardt kann ich nur zustimmen: Klagen, fordern und schimpfen kann jeder. Aber zum Mitmachen hat man dann keine Lust. Wie wäre es um das Christentum bestellt, wenn die 2000 Jahre bis heute die Christinnen und Christen so gehandelt hätten? Dann gäbe es das Christentum gar nicht mehr. Ich rate denen, die hier den Streit schüren, zur Gewissenserforschung! Friede, Gerechtigkeit und Nächstenliebe sind die Charakteristika eines Christen, nicht Motzen!