„Ohne Angehörige hilflos ausgeliefert“

Wedau..  „Jeder hat ein Anrecht darauf, dass er umfänglich auf die neue Situation vorbereitet wird“, so heißt es im Pflegeweiterentwicklungsgesetz. „Patienten, die ohne Angehörige dastehen, die sich für ihre weitere Versorgung kümmern, sind hilflos ausgeliefert“, das behauptet jedenfalls Herbert Schneider (88, Name von der Redaktion geändert). Seine Frau Berta (85) hatte sich beim Sturz auf der Terrasse ihres Einfamilienhauses in Wedau einen komplizierten Beinbruch zugezogen. Zwölf Tage nach Operationen in der BGU, die gut verliefen, wurde die Patientin entlassen. Mit der Begründung, dass die Fallpauschale eine weitere Versorgung nicht zulasse. Bisher war man mit der medizinischen Versorgung sehr zufrieden gewesen, doch jetzt begann der Ärger.

Der Soziale Dienst der BGU bot Berta Schneider zahlreiche Hilfsmittel für die Versorgung zu Hause an – Rollstuhl, Krankenbett und Rampen. „Das alles, ohne sich die Situation vor Ort anzugucken“, kritisiert Schneider. Das Problem: Das Ehepaar wohnt in einem Reihenhaus mit einer steilen Treppe zum Schlafzimmer. „Da wäre meine Frau in ihrem damaligen Gesundheitszustand niemals hinauf gekommen.“

Er setzte durch, dass seine Ehefrau in die Kurzzeitpflege im Malteser Altenheim St. Hedwig aufgenommen wurde. Dort habe Berta Schneider das Zimmer zeitweise mit einer dementiell verwirrten Frau teilen müssen, die nachts durchs Zimmer geisterte. „Meine Frau konnte nicht mehr schlafen, so etwas trägt garantiert nicht zum Genesungsprozess bei.“ Erst als Reaktion auf die Kündigung des Kurzzeitpflegeplatzes habe man Berta Schneider ein anderes Zimmer angeboten.

Der Ehemann kritisiert die mangelnde Beratung, den nervenaufreibenden Umgang mit Behörden und Heimleitungen. Die Pfleger beziehen die Eheleute ausdrücklich nicht in die Kritik ein. „Man kann denjenigen nicht genug Dank sagen für ihre aufopferungsvolle Arbeit.“