Nun kommt der Bergbau ins Spiel
14.02.2012 | 17:26 Uhr 2012-02-14T17:26:00+0100
Süd/Kreis Mettmann/Hilden.Es war ein ungewöhnliches Ereignis, das Erich Hennen hellhörig werden ließ. Am 16. Dezember 2011 trat plötzlich ein rund fünf Meter tiefes Loch mitten in der Breitscheider Wohnsiedlung in der Straße „An der Hoffnung“ auf. Hellhörig wurde der Sprecher der Duisburger Initiative „COntra Pipeline“, die sich gegen die Inbetriebnahme der von der Bayer AG verlegten Kohlenmonoxid-Pipeline engagiert, weil diese Trasse eben durch Breitscheid verläuft. Am Dienstag gab es dazu eine Pressekonferenz der beteiligten Initiativen.
Entstanden war das Loch, wie sich herausstellte, weil es in der Vergangenheit intensive Bergbauarbeiten in der Region gegeben hatte. Offenbar war das Erdreich abgerutscht durch Aushöhlungen von Stollen und Schächten. Das Problem: „Wenn ein Loch gefunden wurde, stehen noch mindestens zwei weitere aus“, sagt Hennen. „Es gibt immer mehrere Schächte. Einen Hauptschacht, einen Wetterschacht oder einen Schacht zur Wasserhaltung. Da es sich um keine große Zeche gehandelt hat, müssen die weiteren Löcher im Bereich der Siedlung Breitscheid liegen.“ Eine konkrete Gefährdung für die CO-Pipeline gab es nicht – diese liegt rund 200 Meter entfernt.
Doch Hennen recherchierte weiter, weil es ihn stutzig machte, dass die zuständige Behörde für Altbergbau nichts über bergwerkliche Tätigkeiten an der Stellen wissen will.
Zwei Monate lang trug er in mühseliger Kleinarbeit Hinweise und Fakten zusammen, die ein besorgniserregendes Bild zeichnen. „Es gab offenbar seit 300 Jahren in dieser Region Bergbauaktivitäten. Wir würden gerne die Bodenzeichnungen einsehen, um herauszufinden, wo Schächte und Stollen verlaufen und wie tief diese liegen“, klagt Hennen. Aber die Bezirksregierungen in Düsseldorf und Arnsberg hätten jede Kooperation verweigert.
Allein im kleinen Gebiet der Lintorfer Mark – nördlich vom Ratinger Stadtteil gelegen – hat es, so Hennen, zwölf weitere Zechen, Schächte und Bergbaubetriebe gegeben hat. Mitunter in unmittelbarer Nähe zum Verlauf der Pipeline. Entsprechendes Kartenmaterial legten die Stopp-CO-Pipeline-Initiativen gestern vor. Weitere Zechen werden im Angertal sowie nördlich von Eggerscheidt vermutet.
„Diese Gefahren wurden von der Bezirksregierung nicht richtig geprüft“, sagt Hennen. „Das kann man als Schlamperei bezeichnen.“ Zumal der einstige Planfeststellungsbeschluss einen Verlauf der Trasse in derart gefährdeten Gebieten untersagen soll.
Die Bezirksregierung Düsseldorf bat gestern auf NRZ-Anfrage um Geduld. „Das Problem ist uns seit kurzem bekannt. Wir prüfen gerade die Fakten“, so Sprecher Bernhard Hamacher, der sich von der Dimension dieser Angelegenheit überrascht zeigte.
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