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Nicht nur ein Geldproblem

16.07.2010 | 17:59 Uhr
Nicht nur ein Geldproblem
Bislang endet die Regionalbahn 37 in Entenfang. Ihre Verlängerung ist schwieriger als gedacht. Foto: Stephan Eickershoff/WAZ-FotoPool

Bissingheim/Wedau.Sie woll­ten sich auch nach der Landtagswahl für die Verlängerung des „Entenfang-Express“ (Re­gionalbahn 37) bis Düs­­seldorf ein­­setzen, die CDU-Politiker Frank Heidenreich, Dr. Wilhelm Droste, MdL aus Ratingen, und Olaf Lehne, MdL aus Düsseldorf.

Vor der Wahl hatten sie so­gar Rückendeckung dafür von Martin Husmann, Vorstandsmitglied des Verkehrsverbundes Rhein-Ruhr (VRR), erhalten. Aber die Machbarkeitsstudie des VRR zu dem Projekt, die inzwischen vorliegt, wirft dunkle Schatten. Sie wurde Anfang Juli den VRR-Gremien vorgestellt. Ergebnis: wirtschaftlich kaum machbar.

Rund 50 000 Menschen im Duisburger Südwesten, im Ra­tinger Westen und im Düsseldorfer Nordosten, so rechneten die CDU-Politiker da­mals bei einem Pressegespräch in Lintorf vor (wir berichteten), könnten durch die Wiederbelebung der Ratinger Weststrecke an die Bahn angebunden werden. Der zweiten Personenzugstrecke zwischen Duisburg und Düsseldorf war der hohe Kosten-Nutzen-Quotient von 3,45 vorausgesagt worden, viel höher als beim Prestigeobjekt „RRX“, der Rhein-Ruhr-Schnellbahn zwischen Düsseldorf und Dortmund, mit einem Wert von 1,3. Ab einem Quotienten von 1,0 gilt eine Bahnverbindung als volkswirtschaftlich vertretbar. Nur 25 Mio Euro, so die damalige Annahme, müssten in die Er­tüchtigung der Haltepunkte und der Strecke investiert werden.

Nach dem jetzt erstatteten Be­richt freilich sieht die Lage an­ders aus: Erstens könnten keine durchgehenden Züge von Wesel oder Dorsten über die Strecke geführt werden, weil die Einfädelung im Duisburger Hbf nicht möglich sei.

Zweitens könnten durchgehende Züge aus Köln nicht über sie geführt werden, weil Düsseldorf Hbf die Gleisbelegung nicht hinbekomme. Möglich wäre also nur noch eine reine Pendelverbindung zwischen Duisburg Hbf und Düsseldorf Hbf.

Drittens jedoch müsste für die Fahrt auf der Güterzug­strecke der zweigleisige Tunnel am Staufenplatz in Düsseldorf durchfahren werden, je­denfalls dann, wenn der Ortsteil Grafenberg neu für die Bahn gewonnen werden soll. Dieser Tunnel jedoch darf nach ei­nem Gutachten der Bahn nur im Ausnahmefall, etwa bei der Umleitung von Reisezügen, gleichzeitig von Reise- und Gü­terzügen befahren werden, fehlen ihm doch aus Sicherheitsgründen separate Tunnelröhren für jedes Gleis. Angesichts der starken Belegung der Güterzugstrecke wäre es nicht möglich, die Fahr­ten so zu regeln, dass es im Tunnel selbst keine Begegnungen gibt.

Viertens stehe noch gar nicht fest, ob die erforderliche zweite Tunnelröhre überhaupt baulich mach­bar sei. Ohne die­se zweite Röhre müsste aber die Strecke der von Essen über Ratingen-Ost, Düsseldorf-Rath und Düsseldorf-Derendorf führenden S-Bahnlinie 6 mit benutzt werden. Da­durch aber würden die lukrativen Düsseldorfer Ortsteile Ger­resheim, Flingern und Grafenberg beiseite gelassen, während gleichzeitig Ortsteile angefahren würden, die be­reits sehr gut an die Bahn angebunden sind.

Fünftens wäre für die Einfädelung in die Strecke der „S 6“ ein zusätzliches Gleis erforderlich. Dadurch aber würden die Investitionskosten von 25 auf 60 Mio Euro steigen und die Kosten-Nutzen-Relation auf nur noch 1,2 absinken. Beim Bau der zweiten Tunnelröhre würden sich sogar 160 Mio Euro an Kosten ergeben und eine Kosten-Nutzen-Relation von nur noch mageren 0,3.

Martin Kleinwächter

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