Neustart für den Ungelsheimer Treff

Claudia Klingsporn
Claudia Klingsporn
Foto: Lars Heidrich
Zu Weihnachten hatte der Ungelsheimer Treff dichtgemacht. Im neuen Jahr macht er wieder auf: Für die neue Wirtin erfüllt sich damit ein Lebenstraum. Am Sonntag um 11 Uhr wird neu eröffnet.

Ungelsheim..  „Wann macht Ihr auf?“ Evelin Gienau steckt erwartungsvoll den Kopf durch die frisch gestrichene Tür. Die Farbe hat nicht nur die Tür aufpoliert, sie hat auch die ehemals verraucht-beigen Wände in strahlendes Weiß getüncht. Mit der Wiedereröffnung des Ungelsheimer Treffs kehrt für Gienau ein Stück liebgewonnene Tradition in den Stadtteil zurück: „Wir sind Stammkunden hier“, sagt sie. Genauer: Waren, bis der UT am 24. Dezember schloss – nach 15 Jahren. Damit war Ungelsheim kneipen­los. Doch die trockenen Zeiten dauern nicht mehr lange: Am Sonntag endet die Durststrecke. Ab 11 Uhr können die Ungelsheimer sich hier wieder zuprosten.

Hinterm Tresen steht dann Claudia Klingsporn. Für sie geht damit ein Traum in Erfüllung: „Es war immer mein Wunsch, eine Kneipe zu haben, aber es war nie die Traute da.“ Als nach 20 Jahren Bürojob bei ihrem Arbeitgeber die Abfindungswelle losrollte, bekam Klingsporns Traum den Namen Ungelsheimer Treff. „Das ist genau mein Ding. Ich bin ein sehr kommunikativer Mensch.“

Schwierige Branche

Gesprochen hat sie mit vielen Gästen schon, allerdings auf der anderen Seite des Tresens: „Wir waren hier auch Stammgäste“, sagt sie, noch vor zwei Jahren feierte sie selbst ihren Geburtstag in der Kneipe. Kein Wunder: Direkt nebenan betreibt ihr Mann seine Firma, beide wohnen nur ein paar Häuser weiter; man kennt sich im Ort. Zumal der UT die einzige echte Kneipe in Ungelsheim ist. Wer etwas trinken gehen möchte, kann ansonsten ins XXL-Sportcenter oder ins Anger­stübchen gehen, „die würde ich aber eher als Restaurants bezeichnen“, meint Klingsporn. Sie hat sich eine schwierige Branche ausgesucht, das ist ihr bewusst. „Dass es nicht mehr so viele Kneipen gibt, ist für mich eine Chance.“

Eine Chance, die sie nutzen will. „Ich hab’ ganz viele Ideen: Partys, einmal im Monat ein Oldie-Abend“, zählt sie auf. Für den richtigen Sound sorgen wird dann ein befreundeter DJ. Klingsporn überlegt außerdem, ihren Gästen in Zukunft nicht nur etwas gegen den Durst anzubieten, sondern auch gegen den Hunger. „Ich würde gerne etwas mit Küche machen.“ Dafür aber müsste sie jemanden einstellen, daher wird sie erst einmal abwarten, wie sich ihre Kneipe entwickelt. Und zuhören, „was die Gäste sich wünschen“.

Stammgast Evelin Gienau hat mit der Wiedereröffnung des Ungelsheimer Treffs schon das, was sie sich wünscht. „Hoffentlich klappt das“, sagt sie. „Sonst haben wir ja nichts hier.“