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CO-Pipeline

Neuer Anlauf

23.06.2012 | 10:00 Uhr
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Umstritten: die CO-Pipeline, hier beim Bau im Januar 2009 in Huckingen. Foto : Jürgen Metzendorf

Uerdingen. Es war zuletzt ruhig geworden um die umstrittene Kohlenmonoxid(CO)-Pipeline zwischen Dormagen und Uerdingen. Das Oberverwaltungsgericht in Münster wird wohl erst 2013 entscheiden, ob die Leitung in Betrieb gehen kann. Bis dahin war Bauherr Bayer am Zuge, die nötigen Antragsunterlagen für ein von der Bezirksregierung Düsseldorf gewünschtes Planänderungsverfahren vorzulegen. Es soll ihr wie dem Gericht den Überblick über die 67 km lange Leitung erleichtern. Denn nach rund 80 Abweichungen von der 2007 erteilten Baugenehmigung entspricht das von Wingas für Bayer erstellte Projekt nicht mehr der ursprünglichen Genehmigung. Dass man diese Unterlagen, immerhin zwölf Ordner mit rund 2000 Seiten, jetzt der Bezirksregierung übergeben hat, nahm Bayer am Freitag zum Anlass, die Bedeutung des Projekts noch einmal zu betonen.

„Dazu gibt es keine Alternative“, so Vorstandsmitglied Dr. Tony van Osselaer. Und Dr. Klaus Jäger legte dar, weshalb das geplante Verbundnetz für CO für den Konzern so bedeutsam sei: Die drei Bayer-Werke in Leverkusen, Dormagen und Uerdingen würden 31 % des weltweiten Konzernumsatzes erzielen. Und für zukunftsweisende Produkte wie Dämmstoffe von Hausfassaden, Datenträger oder den Leichtbau von spritsparenden Autos sei das geruch- und geschmacklose, lebensgefährliche Gas unverzichtbar. Bis zu 400 000 Tonnen davon würden in Uerdingen aus Koks erzeugt. Bei der Kokslieferung sei man von China abhängig, wolle davon loskommen. Außerdem wären Aus­fälle dieser Anlage sehr kostenträchtig. CO nicht nur in Dormagen, sondern auch in Uerdingen aus Erdgas zu erzeugen, so hieß es jetzt, sei weniger wirtschaftlich als der Rohrtransport, da der dabei anfallende Wasserstoff nur in Dormagen, nicht in Uerdingen benötigt würde. Deshalb komme nur der Leitungsverbund in Betracht, den es zwischen Dormagen und Leverkusen bereits gibt. Produktion und Weiterverarbeitung der daraus geschaffenen Kunststoffe sicherten an Rhein und Ruhr insgesamt 110 000 Arbeitsplätze und jährlich 25 Mrd Euro Wirtschaftsleistung.

Zur Erhöhung der Sicherheit werde, kündigte Projektleiter Werner Breuer an, ein zweites Kunststoff-Gitternetz mitsamt Warnband oberhalb der Leitung landschaftsschonend eingepflügt. Bei der vom Gericht bemängelten Erdbebensicherheit lägen bereits zwei von drei nötigen Gutachten vor. Ansonsten müssten noch „sehr kleinräumige“ Trassenabweichungen beim Bau, „teilweise nur um einen Meter“, so Breuer, genehmigt werden, ferner drei Unterschreitungen des Regelabstandes von mindestens 40 cm zur parallelen Wingas-Leitung sowie die aus Lieferproblemen resultierende Verwendung alternativer Stahlsorten an neun Stellen. Bei dem Projekt, betonte Bayer, würden die Bürger genauso geschützt wie Mitarbeiter auf Werksgelände. Denn auch die schlimmsten Einsatz-Szenarien seien mit den Feuerwehren bereits 2008 durchgespielt worden.

Die Geschichte der CO-Pipeline

Im Oktober 2004 begann die Geschichte der CO-Pipeline. In ei­nem öffentlich nicht wahrgenommenen Verfahren wurde grob die 67 km lange Trasse für ein aus fünf verschiedenen Leitungen beste­hen­des Bündel bestimmt, das später so nie gebaut wurde. Es ergab sich aber eine rechtsrheinische Verbindung für die beiden linksrheinischen Bayer-Werke Dormagen und Uerdingen.

Einstimmig und ohne Aussprache verabschiedete der NRW-Landtag im März 2006 ein Gesetz, das Enteignungen oder die Eintragung von Baulasten zugunsten dieser Leitungen ermöglichte.

Danach erst begann der öffentliche Widerstand gegen das Projekt, für das Anfang 2007 Baurecht geschaffen wurde. Im Eilverfahren bestätigte das Verwaltungsgericht Düsseldorf im September 2007 diese Genehmigung. Dem dann im Eilverfahren angerufenen Oberverwaltungsgericht in Münster kamen grundsätzliche Bedenken, weshalb es im Dezember 2007 Ba­yer zwar den Weiterbau auf eigenes Risiko gestattete, jedoch die Inbetriebnahme bis zur Ausräumung der Bedenken untersagte.

Zahlreiche Planungs- und Baufehler führten im Mai 2009 dazu, dass das Verwaltungsgericht in ei­nem weiteren Eilverfahren, diesmal von Bayer angestrengt, die vorzeitige Inbetriebnahme untersagte.

Die Bezirksregierung Düsseldorf kündigte angesichts von rund 80 Abweichungen von der erteilten Genehmigung im Dezember 2010 ein großes Planänderungsverfahren an.

Im Hauptverfahren erklärte das Verwaltungsgericht im Mai 2011 die Bauerlaubnis wegen mangelnder Erdbebensicherheit für „nicht vollziehbar“.

Martin Kleinwächter



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