Naturtrainer: Ehrenamt für aktive Senioren

Dietmar Grond als Naturtrainer in Aktion.
Dietmar Grond als Naturtrainer in Aktion.
Foto: Lars Heidrich
Was wir bereits wissen
Pilotprojekt: Seniorpaten vermitteln Wissen über die Umwelt. Engagierter Großvater genießt die Zeit im Kindergarten. Kita-Leiterin freut sich über die Unterstützung. Die Kinder sind voll bei der Sache

Süd..  Wenn Dietmar Grond in den städtischen Kindergarten am Kalkweg kommt, wird er umgehend von einer munteren Kinderschar in Beschlag genommen. „Die Kinder lieben ihn“, lacht Barbara Kamzol. Die Leiterin der Kita, würde ihn am liebsten vom Fleck weg einstellen. Dabei hat der 68jährige seine Berufstätigkeit (fast) an den Nagel gehängt. Die Ausbildung zum Naturtrainer im Kindergarten betreibt er ehrenamtlich.

Der Kaufmann las in unserer Zeitung, dass der Naturschutzbund NRW Seniorpaten sucht, die Kindern die Natur nahe bringen wollen. Grond, stolzer Opa von vier Enkeln, meldete sich. „Ich möchte etwas Sinnvolles machen“, so seine Motivation. Wie andere den ganzen Tag auf dem Golfplatz rumlaufen, das fülle ihn nicht aus.

Männer sind Mangelware in der Kita

Die Idee des Pilotprojekts: Senioren werden innerhalb eines Jahres zu Naturtrainern ausgebildet. Dazu gehören Workshops mit Umweltpädagogen, in den es auch um gesunde Ernährung geht, und ganz zentral die praktische Arbeit mit den Kindern. Als zertifizierte Naturtrainer sollen die Teilnehmer ihr Wissen später in Kindergärten weitergeben.

Auf die erste Anfrage, in der er dem katholischen Kindergarten St. Peter & Paul in Huckingen seine Dienste als angehender Naturtrainer anbot, hat Dietmar Grond bis heute, nach über drei Monaten, keine Rückmeldung erhalten. Barbara Kamzol vom Kindergarten am Kalkweg empfing ihn dagegen sofort mit offenen Armen. „Wir möchten, dass unsere Kinder die Natur besser kennen und auch schätzen lernen. Da passt dieses Projekt natürlich ganz toll“, so die Leiterin der Kita. Die Kinder dort gehen ohnehin einmal die Woche in den Wald, im Herbst sogar zwei Wochen am Stück.

Aktiver Großvater

Bei unserem Besuch war Dietmar Grond gerade in der Nilpferdgruppe zu Gast. Er hat mit den kleinen Hippos „Fühlkästen“ gebaut, in denen die Kinder Kork, Maronen, Blätter oder Moos ertasten können. Jetzt erzählt der Huckinger ganz viel über die verschiedenen Materialien, regt die Kinder zu Fragen an. Bei der Vorbereitung lernt er selbst eine ganze Menge, zum Beispiel, dass Moos mal als Windel verwandt wurde - die Pampas des Mittelalters.

Die Kinder, alle im Alter von drei bis sechs Jahren, sind voll konzentriert, auch nach einer Stunde noch. „Es ist schön zu sehen, dass es ankommt, was man macht“, sagt der künftige Naturtrainer.

Geschichten aus der Natur

Babara Kamzol ist froh, dass sich endlich einmal ein Mann in den Kindergarten verirrt hat. „Männer sind Mangelware bei uns. Dabei brauchen die Kinder auch männliche Vorbilder. Die eigenen Väter sehen sie unter der Woche ja kaum“.

So ähnlich ist es auch Dietmar Grond ergangen. Als seine beiden Kinder heranwuchsen, war er als selbstständiger Kaufmann beruflich voll eingespannt. Für seine Enkel will er sich nun viel Zeit nehmen. Die beiden jüngsten sind gerade wenige Wochen alt, die Älteren zwei Jahre. Sobald sie ein wenig größer sind, können sich die Vier auf einen Opa freuen, der ihnen ganz viel spannende Dinge aus der Natur erzählen kann.