Das aktuelle Wetter Duisburg 16°C
Bauwirtschaft

Nachbarn klagen über Pfusch am Bau

04.07.2012 | 08:00 Uhr
Nachbarn klagen über Pfusch am Bau
Hinter so einem Klinkerriemchen dringt Nässe in die Hauswand ein. Foto: Hayrettin Özcan/ WAZ-FotoPool

Wanheim.  Schon wieder macht die städtische Gebag Schlagzeilen. Diesmal geht es um ihr Image als Anbieterin von Eigenheimen. Bauherren werfen ihr schwere Versäumnisse vor

Erst hat die städtische Gemeinnützige Baugesellschaft (Gebag) jahrelang gebraucht, um sie zu verkaufen. Sie standen lange Zeit leer. Und jetzt zeigt sich bei vielen der Häuser Zum Eichelskamp 1 bis 12 auch noch ein gravierender Baumangel: Feuchtigkeit dringt in die Zimmer, äußert sich in Form von Modergeruch, Verfärbungen der Wände und Tropfenbildung. Was die Käufer aber am meisten ärgert, ist die Art und Weise, wie ihr Verkäufer damit umgeht. Sie beschreiben das als Ignoranz.

Es geht um den Haustyp „Domizil“, Doppelhaushälften mit einer so genannten Klinkerriemchen-Verblendung, das sind Steinfliesen, zwölf Zentimeter dick, die den Häusern einen geschmackvollen blau-roten Farbton verleihen. Vor 2007 entstanden davon zwölf Häuser auf rund 250 qm großen Grundstücken und mit rund 135 qm Wohnfläche inkl. Dachgeschoss und Keller. Ursprünglich waren sie für 260 000 € angeboten worden, sagen die Käufer. „Selbst die Erstattung der Grunderwerbsteuer oder stattdessen Gratis-Garagen zogen anfangs nicht“, berichtet Daniel Kunske, der Ende 2010 Haus Nummer 9 kaufte. Erst als ab 2008 die Bauzinsen in den Keller gingen, fanden sich verstärkt Käufer.

Franz Bahner und seine Lebensgefährtin erwarben 2010 Nummer 7. „Immer wenn es draußen gestürmt und geregnet hatte, tropfte es aus der Decke“, berichtet er, erstmals im Juli 2010. Die Besichtigung durch die Gebag habe sich damals bis September verzögert. Ein Fensterbauer habe bestritten, dass es mit den Fenstern zu hatte. „Machen Sie sich keine Gedanken, Sie haben ja fünf Jahre Gewährleistung“, habe man ihm gesagt.

Daniel Kunske war der letzte Käufer. „Als ich gekauft habe“, berichtet er, war ein Nachbarhaus eingerüstet. Die Fassade wurde komplett erneuert.“ Vom Verkäufer erfuhr er, dort sei etwas undicht.

Franz Bahner kreidet dem städtischen Wohnungsbauunternehmen an, von den Mängeln gewusst zu haben, ihm das Haus aber „mängelfrei“ verkauft zu haben. Er nahm sich einen Anwalt, setzte der Gebag eine Frist zur Nachbesserung. Im November 2010, sagt er, wurde neu verfugt, „aber so, dass die Rolladenkästen nicht mehr geöffnet werden können“, so der Hauskäufer. Sein Anwalt ließ über das Landgericht ein Beweissicherungsverfahren einleiten, für das Bahner schon mit 3500 € in Vorleistung treten musste. Beim ersten Termin mit dem Sachverständigen, berichtet er, sei zutage getreten, dass auch die Fensterbänke unten nicht isoliert sind. Zuletzt habe der Gutachter von ei­nem „Vollschaden“ der Fassaden gesprochen. Auch soll die Gebag eine Ausbesserung mittels Hy­drophobieren durchgeführt haben. Dabei werden Hohlräume im Hochdruck-Verfahren verfüllt. Das werten die Nachbarn als untauglichen Versuch, die Mängel zu kaschieren, um sich womöglich über die Gewährleistungsfrist zu retten.

Michael Geiger hat 2008 Haus Nummer 1 gekauft und jetzt auch die ersten Schäden, obwohl sein Haus am geschütztesten liegt. Seine Fristsetzung, berichtet er, habe die Gebag kommentarlos verstreichen lassen, so dass auch er jetzt einen Anwalt einschalten will.

Nach Ansicht der Nachbarn sind die Klinkerriemchen ohne so genannte Wassersperre, das ist ein wasserundurchlässiger Mörtel, auf den Styropor-Kern der Fassadendämmung aufgebracht worden. Sie seien so aufgeklebt worden, dass sich dahinter Hohlräume befinden würden, in denen sich Wasser sammelt, der bei Frost zum Aufreißen der Fugen und zum Reißen der Klinker führe. Den Streitwert je Haus beziffern sie auf rund 60 000 € bei insgesamt elf Häusern.

Was sie nicht nachvollziehen können, ist, dass die Gebag, sollte sie zu vollem Schadenersatz verurteilt werden, es dazu überhaupt hat kommen lassen, zumal die Nachbarn inzwischen An- und Aufbauten an ihren Häusern errichtet haben, die alle aufwendig beseitigt werden müssten, um die Fassaden sanieren zu können. Dadurch seien die Kosten noch höher geworden.

Auf Anfrage der Redaktion räumte die Gebag ein, dass bei einem der Häuser, das 2010 eingerüstet war, die Fassade komplett erneuert wurde. Allerdings habe dabei nicht die Gebag nachgebessert, sondern ei­nen finanziellen Ausgleich an den Bauherrn gezahlt.

Zur Frage der Erkennbarkeit des Mangels heißt es dort, im März 2010 sei bei Wärmebildaufnahmen der Stadtwerke keine Fassadenfeuchtigkeit nachgewiesen worden. Ansonsten habe es im Rahmen der Gewährleistung gegenüber anderen Nachbarn nur „Feineinstellungen“ gegeben.

Die Frage der Redaktion nach Feuchtigkeitsschäden durch Mängel bei den Klinkerriemchen war der Gebag zu unkonkret. Sie moniert, dass wir nach wasserundurchlässigem Putzmörtel gefragt hatten. Solcher sei nicht verwendet worden, da es sich ja nicht um eine Putzfassade handelt.

Das Hydrophobieren räumt die Gebag für eines der Häuser ein, betont aber, es handele sich dabei um ein anerkanntes Verfahren der Fassaden-Behandlung.

Im Fall von Michael Geiger sei, betont sie weiter, lediglich auf seine letzte Fristsetzung zur Totalsanierung der Fassade nicht geantwortet worden. Aus Sicht der Gebag ist deshalb keine gütliche Einigung angestrebt worden, weil für sie eine falsche Ausführung der Arbeiten noch nicht erwiesen ist. Sobald das der Fall sei, würden die verantwortlichen Baufirmen und die Bauleitung auch dafür in Anspruch genommen.

Den Vorwurf der Bauherren, eine Hinhaltetaktik zu betreiben, um sie zu zermürben und Zeit zu gewinnen, weist man zurück.

Martin Kleinwächter



Kommentare
Aus dem Ressort
Ein perfekt eingespieltes Team
Weltmeisterschaft
Baily liegt neben dem Tisch und döst. „Sie nimmt sich gerade eine Auszeit“, erklärt Frauchen Melanie Fydrich. „Wir sind erst heute Nacht aus der Schweiz zurückgekommen.“ Die Pause hat sich die Fünfjährige, ein Bordercollie-Malinois-Mix, auch verdient. Das Damen-Duo ist frisch gebackener Weltmeister...
147 Raser von Duisburger Polizei beim Blitzmarathon erwischt
Blitzmarathon
Knapp 5000 Autofahrer hat die Duisburger Polizei bis 14 Uhr am Donnerstag beim Blitzmarathon in kontrolliert. 147 Autofahrer waren trotz der Ankündigungen zu schnell unterwegs. Die Zahl der Temposünder ist bei dem aktuellen Blitzmarathon in Duisburg vergleichnbar mit der im April.
Ein Grünes Idyll neben dem Stahlwerk im Duisburger Süden
Stadtteilgeschichte
Werner Schulz heißt die Gäste unter dem markanten Uhrenturm an der Rosenbergstraße „in meinem Wohnzimmer“ willkommen. Der Vorsitzende des Hüttenheimer Bürgervereins meint die „Arbeiterkolonie“, erbaut 1910/11 bis 1913. Fast wäre die Siedlung abgerissen worden.
Traum vom Eigenheim verwirklicht
Serie: Nachbarschaften
Mündelheim. Der Spielplatz ist verwaist. Die Kinder, die vor 25 und 30 Jahren mit ihren Eltern in die 60 Einfamilienhäuser Beim Gansacker eingezogen, sind aus dem Haus. Die Eltern sind geblieben, so wie Marlene Willger, eine der „Ureinwohnerinnen“.
Die spannende Boerakker-Saga
Familiengeschichte
Seit 1983 treffen sich die Familienmitglieder alle zehn Jahre in Duisburg. Ihre Ahnenforschung reicht mittlerweile zurück bis ins 17. Jahrhundert
Umfrage
In Duisburg gibt es noch zwei große Warenhäuser. Karstadt ist seit geraumer Zeit in den Turbulenzen. Jetzt sollen es neue Sortimente und Beschäftigte in Teilzeit rausreißen. Ist Karstadt für Sie als Kaufhaus noch attraktiv?

In Duisburg gibt es noch zwei große Warenhäuser. Karstadt ist seit geraumer Zeit in den Turbulenzen. Jetzt sollen es neue Sortimente und Beschäftigte in Teilzeit rausreißen. Ist Karstadt für Sie als Kaufhaus noch attraktiv?

 
Fotos und Videos
I-Dötzchen aus Duisburg
Bildgalerie
Einschulung
Fotostrecke
Bildgalerie
WAZ Sommer am See
WAZ Sommer am See
Bildgalerie
Fotostrecke