Mütter erinnern an die schwierigen Anfangsjahre

Großenbaum..  Während ihre erwachsenen Kinder sich im Kellerraum aufhalten, feiern die Mütter oben das 40-jährige Bestehen ihrer Gruppe. Dabei haben die Frauen gut Lachen. Die drückenden Sorgen der Anfangsjahre sind längst vergessen. Für Behinderte und ihre Angehörigen gibt es heute ein umfangreiches Netzwerk von Helfern.

Aber als Ilse Paulerberg, die Gründerin der Gruppe, 1972 betroffene junge Eltern behinderter Kinder zu einem regelmäßigen Gesprächskreis einlud, sah die Sache noch ganz anders aus. „Man war damals mit einem behinderten Kind nicht nur privat isoliert“, berichtet eine der Frauen. „Man musste selbst um heute so selbstverständliche Dinge wie die Einschulung eines behinderten Kindes mit den Behörden kämpfen.“ Denn lange Zeit habe die falsche Vorstellung geherrscht, einem Kind mit Down-Syndrom könne man nichts beibringen.

„Ob ein geistig Behinderter ein weitgehend selbstbestimmtes Leben führen kann, hängt entscheidend davon ab, wie er seit seiner Geburt gefördert worden ist“, sagt eine andere Mutter. Aber auch den Schülertransport, heute eine Selbstverständlichkeit, habe die Gruppe anfangs selbst organisieren müssen. „Wir haben für Alles kämpfen müssen, haben erst Türen (bei Behörden und Verbänden) aufmachen müssen. Das müssen die jungen Eltern heute nicht mehr“, fasst eine der Frauen den Wandel der letzten 40 Jahre zusammen.

Ein großer Vorteil sei von Anfang an gewesen, nicht große Worte machen zu müssen, um verstanden zu werden. „Es waren ja alles gleich Betroffene“, sagt eine der Frauen, die von Anfang an dabei ist. Und: „Es hat uns gegenseitig viel Kraft gegeben“, zumal zahlreiche gesellige Unternehmungen durchgeführt wurden.

Ilse Paulerberg erlebte das 40-jährige Bestehen „ihrer“ Gruppe nicht mehr. Sie starb 2012 wenige Monate nach ihrem behinderten Sohn. Schon 2001 wurde sie für ihr Engagement mit dem Bundesverdienstkreuz ausgezeichnet.