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MHD: Ex-Manager beschuldigt

04.08.2009 | 11:40 Uhr

Die Staatsanwaltschaft wirft den Chefs der früheren Zinkhütte Insolvenzverschleppung und Betrug vor. Drei Jahre ermittelt

Sie hat drei Jahre lang ermittelet, die Schwerpunktstaatsanwaltschaft für Wirtschaftskriminalität in Düsseldorf. 3 000 Umzugskartons mit Akten waren zu überprüfen. Rund 100 Seiten hat die Anklageschrift gegen fünf frühere leitende Mitarbeiter der Sudamin-Metallhütte Duisburg (MHD), die im Mai 2005 zusammengebrochen war. Dabei verloren 300 Beschäftigte ihre Arbeitsplätze. Die Sanierung der von MHD verursachten Umweltschäden hat den Steuerzahler mehr als 50 Mio Euro kostet. Die Anklage ist jetzt dem Landgericht Duisburg zugestellt worden.

Dr. Michael Neuenburg Geschäftsführer MHD Sudarmin Metallhütte Duisburg 6.5.2004 Photo © : Andreas Mangen / waz ## Sudamin ##
Geschäftsführer Dr. Bruno Schwab spricht vor der Versammlung. Beschäftigte der MHD Hüttenwerke sitzen am 26.07.2005 bei der Betriebsversammlung, in der es um die Insolvenz und drohende Schließung der Zinkhütte in Duisburg geht. Die MHD produziert seid 100 Jahren aus Hüttenstäuben und Abfällen Zink. Photo © : Andreas Mangen / waz
Geschäftsführer Dr. Henning Scheu spricht vor der Versammlung. Beschäftigte der MHD Hüttenwerke sitzen am 26.07.2005 bei der Betriebsversammlung, in der es um die Insolvenz und drohende Schließung der Zinkhütte in Duisburg geht. Die MHD produziert seid 100 Jahren aus Hüttenstäuben und Abfällen Zink. Photo © : Andreas Mangen / waz

Um den Umweltskandal freilich ging es den Düsseldorfer Ermittlern gar nicht. Sie werfen Dr. Michael Neuenburg, Dr. Henning Scheu und Dr. Bruno Schwab, drei früheren MHD-Geschäftsführern, Insolvenzverschleppung sowie Betrug, Günter Mende und Thomas Böttcher Beihilfe zum Betrug vor. Mende war Leiter des Rechnungswesens bei MHD, Böttcher der letzte Aufsichtsratsvorsitzende.

Schon der im Mai 2005 eingesetzte Insolvenzverwalter, Rechtsanwalt Dirk Hammes aus Krefeld, hatte von „entsetzlichen wirtschaftlichen Rahmendaten” gesprochen, die er vorgefunden hätte. Von zwei Jahren abgesehen, so Hammes damals, habe die Zinkhütte seit Mitte der 90er Jahre nur hohe Verluste eingefahren. Auch Staatsanwalt Peter Schwarzwald geht von einem enorm hohen Sanierungsbedarf der Hütte aus. Die hatte von ihrem vorletzten Eigentümer, dem australischen M.I.M.-Konzern, noch eine Mitgift von 35,5 Mio Euro bekommen, als sie auf den Schweizer Investor Sudamin überging. „Das Geld ist im laufenden Betrieb verschlungen worden”, so Schwarzwald. Spätestens im Oktober 2004, ist Schwarzwald überzeugt, war die Hütte zahlungsunfähig.

Doch noch drei Monate zuvor, im Juni, habe Geschäftsführer Dr. Neuenburg von der Commerzbank einen Zehn-Mio-Euro-Kredit bewilligt bekommen. Nach den Erkenntnissen der Staatsanwaltschaft hatte Neuenburg der Bank für das erste Quartal 2004 eine „schwarze Null” in Aussicht gestellt. Tatsächlich habe es hohe Verluste gegeben. Als die Bank das erkannt habe, im Oktober, sei der Kredit eingefroren worden - bei bis dahin 8,9 Mio Euro. Dr. Henning Scheu, Nachfolger Neuenburgs ab Oktober 2004, habe der Bank mitgeteilt, die Zahlen seien falsch gewesen.

Neben der Erschleichung dieses Kredits wirft die Staatsanwaltschaft den Angeschuldigten vor, munter weiter Waren und Dienstleistungen bestellt zu haben, die man nicht bezahlen konnte. 121 Lieferanten seien so um acht Mio Euro geprellt worden. Auf Insolvenzverschleppung stehen bis zu drei Jahre Freiheitsstrafe, auf gewerbsmäßigen Betrug bis zu zehn Jahre. Das Landgericht muss jetzt entscheiden, ob es die Anklage zulässt. Mit Eröffnung der Hauptverhandlung ist nicht vor Jahresende zu rechnen. Schon der Insolvenzverwalter hatte von völlig undurchsichtigen Beteiligungsverhältnissen an der Hütte berichtet. So habe es eine Briefkastenfirma in Essen, eine Geschäftsführerin auf Zypern und einen Investor auf den Bermudas gegeben.

Martin Kleinwächter

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Kommentare
24.09.2010
11:52
MHD: Ex-Manager beschuldigt
von Playlife | #7

Gerade gelesen und geschmunzelt.
Der Initiator des Ganzen, der auch die Briefkastenfirmen u.a. auf den Bermudas (Alster) gegründet, und somit die ganzen Betrugsversuche erst ermöglicht hat, ist der nur zur Beihilfe angeklagte Thomas Böttcher, hätte man seitens der Staatsanwaltschaft mal ausreichend recherchiert, würde dieser Name noch einige Male unangenehm auffallen. Der davor tätige Geschäftsführer Matthias Heil ist - obwohl auch beteiligt - überhaupt nicht erst erwähnt worden. Und der einzige ehrliche Geschäftsführer, Herr Dr. Scheu, war der Erste der sich zumindest bemüht hat, Licht ins Dunkle zu bringen. Aber das ist wie immer, die richtig Großen bleiben unangetastet :D

04.08.2009
15:16
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von R | #6

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04.08.2009
15:12
MHD: Ex-Manager beschuldigt
von R | #5

Und wieso geht es nicht um den umweltskandal der ein paar Tage vertuscht wurde?
Hätte man es viel eher zugegeben könnten jetzt noch viele Menschen in Wanheim/Angerhausen leben sowie darunter mein Cousin der durch den Austritt von dem Dioxin an einem Gehrintumor gestorben ist sowie 2 Häuser weiter der Nachbar un beide erst im Alter von 14 Jahren und wieviel jetzt noch an Krebs erkranken davon will ich garnicht reden der Vorstand ist einfach abartig wie kann man soetwas nur vertuschen hauptsache das Image ist geschützt Menschenleben sind denen egal pfuii...
Und jetzt haben wir schon die nächste Gifthütte in Wanheim/Angerhausen und zwar werden Radioaktive Güter hier gelagert weiss man was da denn rauskommt?
Ach Wanheim/Angerhausen könnte sooo schön sein ohne diese ganzen Giftküchen.

04.01.2009
15:16
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von R | #4

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04.01.2009
15:15
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von R | #3

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04.01.2009
15:15
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von R | #2

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04.01.2009
15:14
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von R | #1

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