Mädchen schnuppern an der BGU in Männerberufe herein

300 Patienten wurden im Jahr 2014 im Schockraum behandelt, ein Drittel davon schwer verletzt.Fotos:Tanja Pickartz
300 Patienten wurden im Jahr 2014 im Schockraum behandelt, ein Drittel davon schwer verletzt.Fotos:Tanja Pickartz
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Avionikerin, Chirurgin, Technikerin: Die Klinik beteiligte sich zum ersten Mal am bundesweiten Girls’ Day.

Buchholz..  Avioniker, Chirurg, Techniker: Berufe, die eher eine Männerdomäne als von Frauen dominiert sind. Das ist auch an der Berufsgenossenschaftlichen Unfallklinik (BGU) der Fall. Dabei würde die BGU gern mehr Avionikerinnen, Chirurginnen, Technikerinnen beschäftigen. Als erster Schritt dahin soll der Girls’ Day fungieren, an dem sich die Klinik am Donnerstag erstmals beteiligte. 21 Schülerinnen von Duisburg bis Dinslaken kamen und staunten zum Beispiel über Hubschrauber Christoph 9 und den Schockraum.

Dort beobachten sie, wie sich sechs Ärzte und Helfer gleichzeitig um einen gerade eingelieferten Patienten kümmern: ein 19 Jahre alter Radfahrer ohne Helm, der von einem Pkw angefahren wurde. Konzentrierte Geschäftigkeit an der Liege in der Mitte des Raums. Wenige Minuten später verlässt der Patient den Schockraum Richtung OP. In diesem Fall zwar nur eine Puppe, trotzdem eine eindrucksvolle Demonstration.

Das Blut im Schockraum ist nicht das Schlimmste für die Ärzte

Im Anschluss stellen die Schülerinnen Fragen: Warum tragen alle „so komische Schürzen“? Was war das Schlimmste, mit dem ein Patient je eingeliefert wurde? Wie lange brauchen die Ärzte, bis sie sich an den Stress im Schockraum gewöhnt haben? Dr. Sandra Buchner gibt geduldig und ausführlich Antworten: Die Schürzen schützen vor den Röntgenstrahlen. Am Schlimmsten, verrät die Ärztin, sind für sie nicht stark blutende Wunden, sondern besonders tragische Unfälle, zum Beispiel von Kindern. Blut sehen könne man lernen, so etwas aber berühre emotional. Und trotz der Hektik im Schockraum nicht mehr gestresst zu sein, sei vor allem eine Frage der Erfahrung. Nicht umsonst müssen junge Ärzte, die frisch von der Uni kommen, im Schockraum zunächst mal einfache Arbeiten wie Dokumentation und Blutabnahme übernehmen.

Fünf Stunden lang lernen die Mädchen am Donnerstag die Arbeit an der BGU kennen. Fünf Stunden, in denen die Klinik „das Interesse der Mädchen für diese Berufe wecken“ will, erklärt Monika Langenberg. Die Gleichstellungsbeauftragte weiß: In der Chirurgie, am Hubschrauber-Stützpunkt, in Technik und EDV sind Frauen bislang deutlich unterrepräsentiert. „Wenn man sich anguckt, wie viele Mädchen ein tolles Abitur machen: Wo bleiben die?“

Vielleicht kommen die jungen Besucherinnen des Girls’ Day eines Tages zurück an die BGU. Der 15-jährigen Emilia Schlösser hat es jedenfalls gefallen. Die Krefelder Schülerin sieht ihre berufliche Zukunft „im ärztlichen Bereich: Ich mag das Helfen, für den Menschen da zu sein, das Wissen: Ich habe heute etwas Gutes getan.“