Lebendige Geschichte aus unmittelbarer Nähe

Huckingen..  Dass der klaffende Spalt in der Mauer Jahr für Jahr größer wird, will Johannes nicht tatenlos akzeptieren: „Man müsste das auffüllen und von unten irgendwie abstützen.“ Haus Böckum, „die Burg“, wie der Neunjährige das Gebäude nur nennt, hat es ihm sichtlich angetan. Damit sie aus unmittelbarer Nähe kennenlernen, worüber sie in den nächsten Wochen im Unterricht sprechen werden, nimmt Dietmar Ahlemann vom Huckinger Bürgerverein die Viertklässler der Albert-Schweitzer-Grundschule mit auf eine historische Spurensuche durch den Stadtteil.

Zu bestaunen gibt es, unter anderem, Spuren der Eisenzeit, des Mittelalters oder auch mal von letzter Woche. Denn hinter „der Burg“, vorbei am Scheunengebäude anno 1838, dort, wo sich der Pfad in Richtung verwitterter Stallgebäude schlängelt, finden sich feuchte Aschereste, schwarz verbrannte Erde. „Da treffen sich immer Jungs und neulich wurde was abgefackelt und die Polizei kam“, berichten mehrere Kinder. Am liebsten würden sie die maroden Stallungen von innen sehen, aber Bretter und Stacheldraht verwehren den Eintritt.

Früher habe man hier viele Gänse und Hühner gehalten, erzählt Ahlemann. „Massentierhaltung“, lautet der Kommentar aus den Reihen der Viertklässler. Überhaupt sind die 22 Kinder nicht um Antworten und Anmerkungen verlegen. Johannes überlegt nicht nur, wie man Haus Böckum „retten“ könnte, er plant auch, es mal am Computer nachzubauen. Ebenso fasziniert ihn der Turm am Steinhof, Duisburgs ältestem erhaltenen Gebäude, die Katolische Kirche, die „im Zweiten Weltkrieg beschossen wurde, aber trotzdem überlebt hat“, und nicht zuletzt die Leiche, die man „neunzehnhundertirgendwas“ unter dem ehemaligen Halmeshof gefunden habe. Die Leiche, so stellt sich später heraus, war ein Tierskelett.

Eine der etwa zehn Stationen ist der Teich vor dem Landhaus Milser. Dort nämlich, so erzählt Ahlemann, sei man auf die vermoderten Überreste alter Holzpfähle gestoßen, die wiederum zu eisenzeitlichen Bauten gehörten. Diese „älteste Siedlung auf Huckinger Boden“ habe natürlich noch nicht Huckingen geheißen. „So wurde der Ort erst genannt, nachdem die Römer weg waren.“ Womit er nicht die italienische Fußball-Nationalmannschaft meint, die 2006 im Landhaus Milser logierte.

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