Das aktuelle Wetter Duisburg 14°C
Schulen

„Latein lebt“

30.05.2012 | 18:31 Uhr
„Latein lebt“
Lateinlehrerin Eva Noack an der Gesamtschule Süd. Foto: Tanja Pickartz/WAZ-FotoPool

Großenbaum. Einen Computer gibt es in fast jedem Haushalt. Aber nicht alle wissen vermutlich, dass sein Name auf das Lateinische zurückgeht. „Computare heißt rechnen“, erklärt Eva Noack, Lateinlehrerin an der Gesamtschule Süd.

„Latein - eine tote Sprache?“, die 43-Jährige schüttelt den Kopf. Eine jüngst von der Unternehmerschaft lancierte Erklärung, Schüler sollten lieber Französisch, Spanisch, Chinesisch oder Japanisch lernen und nicht das im Berufsalltag weniger brauchbare Latein, kann sie so nicht stehen lassen. „Latein ist nicht tot, es lebt ja in vielen anderen Sprachen weiter. 90 % des Wortschatzes der romanischen Spra­chen stammen vom Lateinischen ab, aber auch im Englischen oder Deutschen findet man zahlreiche Entlehnungen“, erklärt sie.

Die modernen Fremdsprachen lassen sich im Alltagsleben eher nutzen - das weiß Noack, die noch Englisch und Französisch gibt, auch. Der Unterricht ziele ja vorwiegend auf Kommunikationsfähigkeit ab. „Im Latein-Unterricht aber taucht man in eine ganz andere Welt ein. Neben der Vermittlung von Wortschatz und Grammatik stehen Textlektüre und -analyse im Mittelpunkt und natürlich Sachkunde“, so Noack. Man beschäftige sich mit römischer Geschichte, erkunde die antike Alltagswelt und entdecke die Mythologie. „Viele Schüler finden das faszinierend - und stellen natürlich auch Vergleiche zu unserer heutigen Welt an“, sagt die Lateinfachfrau.

Für das Fach Latein spreche viel: Die Sprache sei strukturierter als die modernen Sprachen, Aussprache und Schreibweise stimmten überein. Beim Übersetzen vom Lateinischen ins Deutsche feile der Schüler auch an seiner Ausdrucksfähigkeit im Deutschen. Außerdem verstehe er viele Fremdwörter im Deutschen besser - ebenso wie die deutsche Grammatik. Und – aus pädagogischer Sicht: „Für introvertiertere Kinder, die sich nicht so gerne in einer Fremdsprache vor anderen produzieren, ist Latein eine gute Alternative“, so Noack. Denn: Die Unterrichtssprache sei Deutsch.

Anschaulich gestaltete Lehrbücher machen das Lernen interessant. In Klasse 10 beginne man mit der Lektüre längerer Texte, lese etwa Fabeln oder auch die Komödie „Curalio“ von Plautus - allerdings als Comic aufgemacht. In Stufe 11 wagt man sich dann an die richtigen alten Schmöker: die Plinius-Briefe, die „Metamorphosen“ von Ovid und natürlich Cäsars „De bello gallico“. „Wir erschließen, übersetzen und analysieren die zum Teil ja recht verschlüsselten Texte. Das finden viele Schüler spannend“, sagt Eva Noack.

Drei Latein-Lehrerinnen gibt es an der Gesamtschule (insgesamt einen eklatanten Lateinlehrermangel in NRW). Noacks Kollegin Elsbeth Jarvers wagte mit jüngeren Schülern kürzlich ein interessantes Experiment: Die Kinder übten ein kleines lateinisches Theaterstück ein. „Aufregung in der Basilika“ heißt es und spielt auf einem römischen Marktplatz. „Um uns in die alten Zeiten zu versetzen, haben wir auch einmal Brötchen gebacken wie die alten Römer“, berichtet die Lehrerin.

Eva Noack macht mit ihren Schülern Ausflüge nach Xanten, wo römisches Leben nachvollziehbar wird. Die Sprache der Römer habe viele Spuren hinterlassen, resümiert sie und hat zum Schluss auch noch ein weiteres Beispiel dafür parat: die allseits bekannte „Nivea“-Creme. „Niveus“ (lat.) heißt übersetzt nämlich „schneeweiß“.

Von Andrea Müller



Kommentare
Aus dem Ressort
Kita-Pläne für die ehemalige Kasernenfläche
Kinder & Jugend
Der Bedarf ist vorhanden, eine geeignete Fläche auch. Trotzdem kommen Daphne Schwan und ihr Vater Horst Göbel mit ihrem Projekt einer privaten Kita in Wanheim nicht voran. An den Meistbietenden dürfe das städtische Grundstück nur veräußert werden, heißt es bei der Stadt. Plötzlich gibt es mehrere...
Gericht hält Pipeline-Gesetz in NRW für verfassungswidrig
CO-Pipeline
Das Oberverwaltungsgericht in Münster hat das Verfahren um Bayers umstrittene CO-Pipeline ausgesetzt. Nun soll das Bundesverfassungsgericht das aus Sicht der Münsteraner Richter verfassungswidrige NRW-Rohrleitungsgesetz bewerten. Die Pipeline-Gegner werten das Urteil als „Ohrfeige für die Politik“.
Sechs Verletzte bei Verkehrsunfällen auf Duisburger Straßen
Verkehrsunfälle
Gleich sechs Menschen wurden am Mittwoch bei Verkehrsunfällen in Duisburg verletzt, darunter ein zwölfjähriges Mädchen. Die Schülerin war nach Polizeiangaben auf dem Schulweg beim Überqueren der Straße vor ein Auto gelaufen. Sie wurde ebenso wie fünf andere Unfallopfer ins Krankenhaus gebracht.
OVG Münster hält Bau der CO-Pipeline für verfassungswidrig
CO-Pipeline
Das Oberverwaltungsgericht Münster hat die endgültige Entscheidung über die umstrittene CO-Pipeline ans Bundesverfassungsgericht weitergegeben. Die Münsteraner Richter sehen in dem 2006 vom Landtag verabschiedeten Rohrleitungsgesetz einen Verstoß gegen das Grundrecht auf Eigentum.
Drogen und Waffen bei Razzien in Duisburg gefunden
Durchsuchungen
Bei Razzien gegen eine mutmaßliche Diebesbande durchsuchte die Polizei am Mittwochmorgen in Duisburg gleichzeitig acht Wohnungen in mehreren Stadtteilen. Sichergestellt wurden unter anderem Amphetamine, selbstgebaute Waffen und professionelles Werkzeug. Der Staatsanwalt beantragte Haftbefehl.
Umfrage
Es stinkt, es ist dreckig und oben am Gleis tropft es kontinuierlich. Nicht nur Reisende nehmen die Bahnhöfe an Rhein und Ruhr als einige der schlechtesten Bahnhöfe Deutschlands wahr. Wie zufrieden oder wie unzufrieden sind Sie mit dem Duisburger Hauptbahnhof?

Es stinkt, es ist dreckig und oben am Gleis tropft es kontinuierlich. Nicht nur Reisende nehmen die Bahnhöfe an Rhein und Ruhr als einige der schlechtesten Bahnhöfe Deutschlands wahr. Wie zufrieden oder wie unzufrieden sind Sie mit dem Duisburger Hauptbahnhof?

 
Fotos und Videos
Fotostrecke
Bildgalerie
WAZ Sommer am See
WAZ Sommer am See
Bildgalerie
Fotostrecke
So feierte Duisburg den WM-Sieg
Bildgalerie
Jubel und Autokorsos
Die besten Orte am Niederrhein
Bildgalerie
Ferien