Langer Weg zum neuen Deich
06.05.2008 | 10:43 Uhr 2008-05-06T10:43:00+0200
Keine zusätzliche Hochwasserrückhaltefläche, wohl aber eine breitere Überflutungsfläche schafft der neue Mündelheimer Rheindeich
Seit Mitte der 90er Jahre wird die Rückverlegung des Mündelheimer Rheindeichs geplant. Jetzt ist das 45-Mio-Euro-Projekt wieder einen Schritt vorwärts gekommen. Am 7. Februar hat die Bezirksregierung Düsseldorf nach drei Jahren Verfahrensdauer den Planfeststellungsbeschluss erlassen. Damit kann theoretisch mit dem Bau des 7,8 Kilometer langen neuen Deichs zwischen Wittlaer und Ehingen begonnen werden.
"Optimistisch geschätzt könnte 2010 Baubeginn sein", sagt Helmut van Wickeren vom Amt für Wasser- und Kreislaufwirtschaft. Zunächst müsse die Ausführungsplanung europaweit ausgeschrieben und erstellt werden. Parallel dazu müsse das Bauland erworben, müssten Entschädigungsfragen geklärt werden. Und auch die Bauarbeiten selbst müssten ja auch erst wieder europaweit ausgeschrieben werden. Schließlich müsse das Land auch die entsprechenden Mittel freigeben. Die reinen Sanierungskosten trägt es zu 80 %, die Kosten der Rückverlegung zu 100 %.
Der neue Deich wird maximal 60 Zentimeter höher sein als der heutige, also vier bis fünf Meter hoch ausfallen. Weil er mit einer Böschung von eins zu 3,5 statt heute 1:2,5 gebaut wird, wird sich seine Breite auf 64 Meter verdoppeln. "Neu wird sein, dass er auf der Rückseite einen befestigten Deichverteidigungsweg bekommt", sagt van Wickeren. Seit Auflösung des alten Deichverbandes Ende der 90er Jahre ist er der zuständige Deichgräf. Außerdem verläuft natürlich auf dem Deich selbst ein befestigter Weg.
Von Wittlaer kommend, müssen wegen der größeren Standfläche das Wohnhaus vom Rheinheimer Hof abgebrochen werden und, nördlich davon, in Rheinheim selbst, der Hof Höffges. Erst in Höhe des Mündelheimer Sportplatzes verlässt der neue Deich die alte Trasse und schwenkt ins Hinterland ein. Etwa auf der Mitte der heutigen Entfernung zwischen dem Mündelheimer Ortsrand und der Uerdinger Rheinbrücke kreuzt er die B 288. Nach weiteren 500 Metern schwenkt er wieder auf die alte Deichtrasse in Richtung Ehingen ein.
Um gegenüber den heutigen Verhältnisse bei künftig nur noch halbem Abstand zur Ortschaft keine Verschlechterung zu bewirken, erhält der Deich in Höhe Mündelheim auf 1 600 Metern Länge eine 14 bis 18 Meter tiefe Dichtwand. "Das ist eine 40 bis 45 Zentimeter dicke Wand aus Betonit-Masse", erklärt van Wickeren. Sie reicht bis zur wasserundurchlässigen Tertiär-Schicht. Rheinhochwasser selbst wird so abgehalten, bis nach Mündelheim vorzudringen und dort tief gelegene Räume zu überschwemmen. Das vom Niederbergischen kommende Grundwasser kann auf der Landseite der Dichtwand nach Norden abfließen.
Etwa die Hälfte der Baukosten, so schätzen van Wickeren und sein Kollege Waldemar Kesicki, müssen für die Aufständerung der B 288 aufgewendet werden. Beginn der neuen, 400 Meter langen Rampe ist an der Kegelstraße. Die Hochstraße wird zweispurig ausgeführt - auf Betonstützen von 38 Metern Abstand. Hinter dem Deich ist die Rampe vollkommen durchlässig.
Nach Angaben van Wicke-rens führt der Rhein bei Mündelheim heute maximal 12 000 Kubikmetern Wasser pro Sekunde. Der neue Deich wird für 14 800 Kubikmeter ausgelegt - das entspricht dem 500-jährlichen Hochwasser. "Er wird wohl auch noch 16 500 Kubikmeter verkraften", so van Wickeren. Allerdings verschafft er dank breiterer Überflutungsfläche nur noch vor Ort und rheinaufwärts bis zur nächsten Rheinschlinge fünf Zentimeter Entlastung.
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