Landtagspräsidentin im Klassenzimmer in Huckingen

Landtagspräsidentin Carina Gödecke am Mannesmann-Gymnasium in Huckingen.
Landtagspräsidentin Carina Gödecke am Mannesmann-Gymnasium in Huckingen.
Foto: FUNKE Foto Services

Huckingen..  Eine Landtagspräsidentin haben Schüler nicht jeden Tag zu Besuch. Die Klasse 9a des Mannesmann-Gymnasiums hatte jetzt die Ehre. Anderthalb Stunden lang stand Carina Gödecke, die Bochumer SPD-Abgeordnete an der Spitze des NRW-Landtags in Düsseldorf, ihnen am Donnerstag Rede und Antwort. Die Themen dabei reichten von der Internationalen Politik bis zum ganz Persönlichen.

Wenn G8, die Verkürzung der Gymnasialzeit von neun auf acht Jahre, heute erstmals zu entscheiden wäre, würde sie wahrscheinlich nicht beschlossen, räumte die studierte Lehrerin ein. Jetzt allerdings gelte es, für Stabilität an den Schulen zu sorgen und daraus das Beste zu machen. Das war eine von zwei markanten politischen Äußerungen der Präsidentin. Die andere bezog sich auf griechische Wiedergutmachungsforderungen für den Zweiten Weltkrieg. „Da sollten wir noch mal genau hinschauen“, riet sie der Bundesregierung. Nur den Zeitpunkt der Forderung finde sie seltsam. Er lenke womöglich von griechischen Versäumnissen ab.

Sorge vor Spaltung der Gesellschaft

Die größte gegenwärtige Sorge der Sozialdemokratin ist, dass es Rechtsradikalen gelingen könnte, die Gesellschaft zu spalten, Sozialneid zu schüren und die Verlierer im Lande auf ihre Seite zu ziehen. Andererseits stimme sie das Engagement vieler Jugendlicher in Vereinen und für soziale Zwecke zuversichtlich. „Ehrenamtliches Engagement ist die Seele der Demokratie“, zitierte sie einen Wissenschaftler.

Selbst noch einmal in den Schuldienst zurückzukehren, dass kann Carina Gödecke sich nicht vorstellen. Sie will 2017 erneut für den Landtag kandidieren und 2022 dann in den Ruhestand gehen. Ihr hohes Amt zwinge sie zwar dazu, selbst am Wochenende nach dem Terminkalender zu leben. „Aber es macht auch viel Spaß, ist sehr lehrreich und läuft ja sowie irgendwann aus“, erklärte sie den Schülern. Persönlich wünsche sie sich noch mehr Selbstsicherheit. Sie wundere sich über das resolute Auftreten manch männlicher Kollegen.

Nicht mehr in den Bundestag

„Sehen wir Sie irgendwann im Bundestag?“, wollte eine Schülerin wissen. „Nein“, antwortete die Präsidentin. Da führe man doch von Berlin aus kein normales Leben mehr. Sie möchte schon jeden Abend daheim in Bochum sein.

Den Schülern empfahl sie für den weiteren Werdegang, einerseits nach der persönlichen Neigung zu gehen, andererseits nach beruflichen Nischen zu suchen. Dann müsse sich jeder entscheiden, ob er auf Sicherheit setzt oder die Herausforderung sucht. Für ihr politisches Engagement empfahl sie den Schülern ausgerechnet Angebote, die es in Duisburg nicht gibt: das Kinder- und Jugendparlament oder die Kinder- und Jugendsprechstunde des Bezirksbürgermeisters.