Landschaftsbeirat beklagt „Freiflächenfraß“

Rahm aus der Vogelperspektive, von Südwesten aus gesehen.
Rahm aus der Vogelperspektive, von Südwesten aus gesehen.
Foto: www.blossey.eu
Was wir bereits wissen
Das Gremium der Naturschützer wirft der Stadtverwaltung Schummelei beim Verbrauch von Freiflächen vor. Der Duisburger Süden ist besonders stark betroffen

Süd..  Schwindelei mit dem angeblich geringen Freiflächenverbrauch bei der Neuaufstellung des Flächennutzungsplans (FNP) zu betreiben, das wirft der Beirat bei der Unteren Landschaftsbehörde jetzt der Stadtverwaltung vor. Vorsitzender Dr. Johannes Meßer forderte die Verwaltung bei der jüngsten Sitzung des gesetzlichen Vertretungsgremiums der Naturschützer auf, eine „ehrliche, nachvollziehbare Bilanz der Freiraum-Inanspruchnahme“ vorzulegen. Besonders stark ist der Bezirk Süd von den Plänen betroffen, die bislang unter dem Namen „Duisburg2027“ vorangetrieben wurden.

Dr. Meßer rechnete dem Beirat jetzt vor: Angeblich sollen für die zusätzliche Ausweisung von Wohn- und Wirtschaftsflächen im Umfang von 5,3 Millionen Quadratmetern bis 2027 nur 500 000 qm Freiflächen in Anspruch genommen werden. Aber alleine die zur Bebauung vorgesehenen Landschaftsschutzgebiete (1,2 Millionen qm), die betroffenen Verbandsgrünflächen (320 000 qm), die übrigen Flächen im Außenbereich (240 000 qm) und die übrigen Freiflächen (220 000 qm) würden sich zusammen auf 2,2 Millionen qm summieren, mehr als viermal so viel.

67 Hektar Freiflächen im Bezirk Süd verplant

Zusätzlich werde Augenwischerei betrieben, so der Vorsitzende, indem bereits bestehende Ausgleichsflächen für seit Jahrzehnten bebaute ehemalige Freiflächen plötzlich in diese Bilanz eingestellt würden. Eine solche Vorgehensweise führe den Ausgleichsgedanken ad absurdum. Meßer: „Da hab’ ich keine Worte mehr für.“

Am stärksten sei der Bezirk Süd von diesem „Freiflächenfraß“, so Dr. Meßer, betroffen. Von insgesamt neun künftigen Wohnbauflächen in heutigem Landschaftsschutzgebiet (LSG) befänden sich allein fünf im Bezirk Süd. Nur von Gewerbeflächen auf bisherigen Freiflächen sei der Süden verschont. Nicht nur um Rahm werde ein Riegel von 435 000 qm neuer Wohnbauflächen auf heutigem Ackerland und LSG gelegt. Auch Serm sei mit 157 000 qm betroffen, ferner der Ostrand von Mündelheim (79 000 qm).

Beirat fühlt sich isoliert

Diese Flächen alle bis 2027 zu bebauen, ist nach Ansicht des Beirats völlig unrealistisch. Denn der neue FNP werde ja frühestens 2017 in Kraft treten. Nur noch zehn Jahre Zeit hätte man dafür.

Allerdings hätten Duisburgs Kommunalpolitiker den Beirat schon in der Vergangenheit weitgehend ignoriert. Daran werde sich wohl wenig ändern.