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Kritik an Schuhkarton-Aktion

19.10.2012 | 07:00 Uhr
Kritik an Schuhkarton-Aktion
Spendenaktion Weihnachten im SchuhkartonFoto: Privat

Süd.   Weihnachtshilfe von „Geschenke der Hoffnung“ für arme Kinder startet im Duisburger Süden. Kritiker bezeichnen die Aktion als „evangelikale Missionsaktion“. „Ich unterstütze vor allem Weihnachtsgeschenke für Kinder“, sagt die Ungelsheimerin Marion Leineweber. Argumente dafür und dagegen

Spätestens zu Weihnachten sollen die Päckchen irgendwo in Osteuropa oder Afrika unter dem Baum liegen. Der Verein „Geschenke der Hoffnung“ sammelt wieder Spenden für die Aktion „Weihnachten im Schuhkarton“. Die Aktion ist umstritten. Drei Frauen aus dem Duisburger Süden sammeln trotzdem weiter, weil sie fest an die gute Sache glauben.

Was passiert da?

Privatleute sind aufgerufen, Schuhkartons mit Geschenken für bedürftige Kinder zu packen. Der Verein „Geschenke der Hoffnung“ schickt die Päckchen nach Osteuropa und in Dritte-Welt-Länder. Dort werden die Kartons verteilt.

Ehrenamtliche
Seit zehn Jahren aktiv

Eine Bekannte erzählte ihr von der Aktion. Mittlerweile ist Marion Leineweber seit mehr als zehn Jahren mit Feuer und Flamme dabei. „Es geht nur darum, Kindern ein Weihnachtsgeschenk zu geben“, sagt die begeisterte Ehrenamtlerin. Sie sei selbst Mitglied der freien evangelischen Gemeinde. Viele Kirchengemeinden unterstützen das Projekt „Weihnachten im Schuhkarton“. Andere distanzieren sich deutlich.

„Man wird nie die Not der ganzen Welt lindern können“, sagt Marion Leineweber. Aber der Schuhkarton könne doch zumindest einer beachtlichen Zahl von Kindern eine große Freude bescheren. „Besser so eine Aktion, als wenn man gar nichts macht“, sagt Leineweber.

Im Duisburger Süden kommen jährlich einige hundert Geschenkkartons zusammen. Im vergangenen Jahr sammelte die Organisation deutschlandweit etwa 500 000 Schuhkartons ein.

In den Verteilgebieten seien meist christliche Kirchengemeinden für die Verteilung zuständig, weil diese Infrastruktur sehr hilfreich sei, erklärt Marion Leineweber. Wer sich informieren wolle, erhalte bei „Geschenke der Hoffnung“ ausführliches Informationsmaterial. Sie handle selbst nach bestem Wissen und Gewissen. „Ich kann natürlich nur weitergeben, was ich selbst gelesen habe.“

Was ist daran schlecht?

Die evangelische und katholische Kirche distanzieren sich immer wieder – mal mehr, mal weniger offen – von der Aktion. Ihnen fehlt die Nachhaltigkeit. Die Geschenke förderten Neid unter den armen Kindern. Kritiker bezeichnen die Aktion als „evangelikale Missionsaktion“. Es soll Fälle gegeben haben, in denen muslimische Kinder Geschenke nur gegen Teilnahme an christlichen Umerziehungskursen erhalten haben. Der Verein bestreitet das vehement. Den Kritikern fehlt vor allem Transparenz.

Wer steckt dahinter?

Der Verein „Geschenke der Hoffnung“ hat seinen Sitz in Berlin. Tausende Ehrenamtliche sammeln die Geschenke ein. Der Verein stellt nicht die Geschenke, sondern „die Verbreitung des Wortes Gottes und die Förderung des christlichen Glaubens auf der Basis des Evangeliums“ an erste Stelle. Hinter der Organisation stecken die umstrittene Vereinigung Samaritan’s Purse und die Evangelistic Organisation des radikalen US-Predigers Franklin Graham. Dieser nannte den Islam im Time-Magazine eine „Religion des Hasses und des Krieges“.

Info
So funktioniert „Weihnachten im Schuhkarton“

Die Schuhkartons sollen Spielzeug, Süßigkeiten, Schul- und Hygieneartikel, Kleidung und – wenn gewünscht – einen persönlichen Gruß des Absenders enthalten. Verboten sind wegen der strengen Einfuhrbestimmungen gebrauchte, flüssige und parfümierte Artikel.

Annahmestellen für die Kartons sind im Duisburger Süden Ursula Tresemer aus Wanheim ( 70 55 84), Marion Leineweber aus Ungelsheim ( 99 86 92) und die naturheilkundliche „Praxis für Leib & Seele“ an der Düsseldorfer Landstraße 320. Annahmeschluss ist am 15. November.

Was sagen Ehrenamtliche?

„Ich unterstütze vor allem Weihnachtsgeschenke für Kinder“, sagt die Ungelsheimerin Marion Leineweber. Die Verteilung der Geschenke habe nichts mit Religion zu tun. „Wenn man sich die Vorstände ansieht, ist überall ein faules Ei zu finden. Es gebe jede Menge Möglichkeiten hinter die Kulissen zu schauen. „Man kann mitfahren und sich die Verteilung anschauen. Ich bin nur nicht der Typ, der gerne reist.“

Besser dem Nachbarn helfen?

Das eine tun und das andere nicht lassen, findet Marion Leineweber. Sie engagiert sich seit zehn Jahren für Geschenke der Hoffnung. In Buchholz ist sie Vorleserin in der Bücherei. „Ich arbeite hauptamtlich ehrenamtlich.“

Arne Poll



Kommentare
20.10.2012
19:02
Kritik an Schuhkarton-Aktion
von hercules150 | #3

zu 2 Wir im DU-Norden wollen auch unseren alten Redakteur wieder. Die WAZ ist nicht mehr die Zeitung die sie mal war, leider.

20.10.2012
17:34
Kritik an Schuhkarton-Aktion
von siggiK | #2

Wieder ein qualitativ hochwertiger Artikel und Kommentar von Herrn Poll. Bemerkenswert wie Sie bewährte Spendentätigkeiten im Süden torpedieren, ohne die Gegebenheiten vor Ort zu kennen. Erst die Schulmterialkammer jetzt die Weihnachtskartonaktion. Beide Organisationen bedanken sich sicherlich ganz herzlich bei Ihnen. Wir wollen unsere "alten" Redakteure wieder haben, bevor Sie noch mehr verbrannte Erde hinterlassen

19.10.2012
14:08
Kritik an Schuhkarton-Aktion
von tom009 | #1

wahrscheinlich machen die kirchen nicht mit weil diese nichts daran verdienen.
wenn die kirchen es ernst meinen mit der hilfe in der dritten welt dann müßte z.b.die katolische kirche sich mal von ihrem protz trennen.
wofür dieser eingendlich benötigt wird ist mir immernoch ein rätsel.

da würde ein ganz stattliches sümmchen zusammenkommen.

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