„Kreuz und Quer“ durch die Chorliteratur

Huckingen..  Passend zur Chorfarbe Hellblau waren auch viele Zuhörer in der eisigen Kirche St. Peter und Paul in Huckingen in babyblaue Decken gewickelt. Zumindest um warme Gedanken mussten sich das Publikum am Freitag aber keine Gedanken machen, dafür sorgte der Chor „Kreuz und Quer“ mit Gospelnummern und Chorklassikern.

Vom ersten Ton an unterstrich der Chor seinen Anspruch, den großen, amerikanischen Vorbildern möglichst nahe zu kommen. Mit vollem Körpereinsatz und den typischen Gospelharmonien präsentierte das Kollektiv, das auf überraschend viele Männerstimmen zurückgreifen konnte, vorwiegend Gospelnummern. Ein kleiner Wermutstropfen war leider die Entscheidung, den Chor per Mikrofon abzunehmen, so ging viel des schönen Timbres verloren. Trotzdem überzeugten die Sänger mit hervorragendem Satzgesang, selbst die schwierigsten Passagen wurden meist ohne Intonationsprobleme gemeistert. Am besten war der Chor immer dann, wenn Leiter Gregor Brück das E-Piano ruhen und die langsamen, gesetzten Nummer a capella singen ließ. Dass die Sänger auch über den Tellerrand des Gospels hinausschauen können, bewiesen sie zum Beispiel mit einer Version von „Down by the Riverside“, die mit Rhythmik und Melodie des bekannten Originals spielte.

Nach Bachs „Air“, bei der Dirigent Gregor Brück penibel und erfolgreich auf die Dynamik des Chors achtete, kündigte Moderator Arno Köllner einen Ausflug in den Jazz an. Als Jazz war die Mischung aus Boogie-Akkordfolgen und ein paar Septakkorden zwar nur mit viel gutem Willen zu bezeichnen, trotzdem lockerte die Nummer die häufig melancholisch-schwerfällige Reihe „klassischer“ Chorwerke auf.

Nachdem die Zuschauer bei „When the Saints go marching in“ selber die Stimme erheben durften, folgte mit „Steal away“ ein Lied, dass dank kleiner, chromatischer Einwürfe angenehm deutlich die ausgetretenen Pfade der Gospelmusik verließ. Noch untypischer wurde es mit dann mit drei Stücken der Beatles. „Norwegian Wood“, „Michelle“ und „Blackbird“ bewiesen leider, dass die Lieder der Pilzköpfe für Chöre eher ungeeignet sind. Der Höhepunkt im Hinblick auf die Inszenierung folgte mit „The Lion sleeps tonight“. Das Lied wurde mitten in der Darbietung unterbrochen, damit die Sänger, nur mithilfe ihrer Stimmen und ihres Körpers, zuerst ein Dschungelszenario und dann ein lautstarkes Gewitter heraufbeschwören konnten.