Keine Religion ohne Humor - Duisburger Christen diskutieren

Im Gesprächskreis zum Thema „Erträgt der Glaube Satire“ redete Pfarrer Rainer Kaspers mit den Teilnehmern auch über "Charlie Hebdo".
Im Gesprächskreis zum Thema „Erträgt der Glaube Satire“ redete Pfarrer Rainer Kaspers mit den Teilnehmern auch über "Charlie Hebdo".
Foto: Funke Foto Services
Was wir bereits wissen
Der Anschlag auf "Charlie Hebdo" ist das zentrale Thema der Diskussionsrunde mit Pfarrer Rainer Kaspers in der evangelischen Auferstehungsgemeinde.

Duisburg.. Wie passen Satire und Glaube zusammen? Wann darf man lachen, und wann geht es zu weit? Gerade nach dem Anschlag auf die französische Satire-Zeitschrift „Charlie Hebdo“ in Paris am 7. Januar erscheinen diese Fragen brisanter denn je.

Rainer Kaspers, Pfarrer der evangelischen Auferstehungsgemeinde in Ungelsheim, machte sich schon vor dem Anschlag Gedanken aufgrund der Mehrzahl an Mohammed-Karikaturen in den Medien. Bereits im Oktober hatte er die Idee, zu einer offenen Gesprächsrunde einzuladen. Unmittelbar nach dem Anschlag auf Charlie Hebdo war Kaspers einer der Organisatoren des Marsches für Toleranz durch Hüttenheim, den evangelische und katholische Gemeinde sowie Moscheegemeinde gemeinsam auf die Beine gestellt hatten. Am Donnerstag diskutierten die Teilnehmer über verschiedene Blickwinkel und Meinungen.

Satire soll Missstände anprangern

„Es gibt keine Religion ohne Humor“, sagt Kaspers und knüpft so die erste Verbindung zwischen Satire und Glauben. Satire solle Missstände anprangern und anspruchsvolle Kritik ausüben. Dass das nicht immer gelingt, zeigt Kaspers den Teilnehmern anhand einiger Karikaturen. Eine zeigt Mohammed als Pornostar, eine andere einen nackten Mohammed mit einem Stern am Hinterteil und der Überschrift „Mahomet: Une étoile est née!“ (Mohammed: Ein Star ist geboren.) „Scheußlich!“, „Missachtend!“ und „Fertigmachend!“, kommentieren die Teilnehmer. „Hinter diesen Karikaturen steckt kein Inhalt. Das ist reine Provokation“, stimmt Kaspers zu.

Haben die Zeichner von „Charlie Hebdo“ dann bloß provoziert und sind selber schuld an ihrem Tod? „Eine solche Gewalttat ist nicht zu rechtfertigen. Trotzdem tragen die Satiriker andere Schuld. Sie haben die Gefühle tiefgläubiger Menschen verletzt“, betont Kaspers. Außerdem habe jede Karikatur ihre Toten. Sprengstoffattentate würden verübt, Kirchen werden angezündet. Karikaturen blieben nicht ohne Folgen, auch wenn wir es in Deutschland nicht immer mitbekämen.

Zu sehr verallgemeinert

Beim Christentum sei die Satire punkttreffender. Wichtige Themen seien Prunksucht, Kindermissbrauch oder Kirchensteuern. Beim Islam dagegen konzentriere sich die Satire meist auf Islamismus und Gewalt. Dabei werde zu sehr verallgemeinert. „Zur Freiheit gehört Verantwortung“, zitiert Kaspars den Religionsphilosophen Tomáš Halík. Auch die Gesprächsteilnehmer stimmen dieser These zu. Man dürfe die Presse- und Meinungsfreiheit nicht einfach rücksichtslos ausnutzen. „Humor ist das Salz des Lebens. Wir dürfen salzen, aber nicht versalzen.“