Kabarett ins Wohnzimmer verlegt

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Huckingen..  Kabarett im intimen Rahmen bot Jens Neutag bei seinem aktuellen Programm „Das Deutschland-Syndrom“. Das geschah allerdings nicht ganz freiwillig. Aufgrund der geringen Kartennachfrage wurde die Veranstaltung von der größeren Halle kurzerhand in das „Wohnzimmer“ des Huckinger Steinhof, den „Raum Kreifelshof“, verlegt, der sonst nur kleineren Konzertveranstaltungen vorbehalten ist.

Der vielseitiger Wuppertaler Kabarettist und Autor nahm das Ganze mit Blick auf das eher handverlesene Publikum mit Humor: „Wir hatten jede Menge Anfragen, haben aber nur die Besten rein gelassen.“

Neutag ging auch sonst mit der Situation professionell um. Beim eher ungewohnten „Kabarett im Wohnzimmer“ legte der seit 2002 mit diversen Soloprogrammen tourende Satiriker witzig und mit der nötigen Schärfe die oftmals skurrilen Verhaltensweisen seiner Landsleute offen.

Neutag machte deutlich, dass sich der Deutsche gerne aufregt. Allerdings eher über Fernsehshows und Benzinpreise. Wenn es um die flächendeckende digitale Ausspähung durch die NSA geht, zucke man nur mit der Schulter, denn man habe „ja nichts zu verbergen“.

Etwas mehr Anarchie könnte nicht schaden, meint Neutag, man sollte damit anfangen, die Mülltonne einen Tag vor dem eigentlichen Termin rauszustellen. Er trauerte alten Zeiten nach, als man noch zum Protest auf die Straße ging. Heute reiche es gerade noch zur Online-Petitionen per Mausklick.

Die Ursache für die politische Lethargie hat er auch ausgemacht. Angela Merkels zehnjährige Kanzlerschaft habe alle eingelullt: „Es ist wie in einer Ehe, nach sieben Jahren verändert sich nicht mehr viel.“