"Ich will ein Signal setzen"
25.01.2010 | 11:57 Uhr 2010-01-25T11:57:00+0100Wolf Machon, Leiter des Bertolt-Brecht-Berufskollegs, fordert angesichts der Schließungspläne eine offene Diskussion
Für Wolf Machon, den Leiter des Bertolt-Brecht-Berufskollegs in Huckingen, ist schon ärgerlich genug, dass über die Schließung seiner Schule diskutiert wird. Aber noch ärgerlicher ist für ihn die Vorgehensweise – über die Betroffenen hinweg. Prompt zeige sich, dass den Befürwortern offensichtlich der Sachverstand fehle. „Ich will ein Signal setzen”, sagt er. „DieseDiskussion kann ohne den Sachverstand der Betroffenen nicht fair geführt werden. Ich bin bereit, ihn in die Diskussion einzubringen.” Sie müsse aber offen geführt werden.
Man könne es sich nicht so einfach machen und behaupten, die Berufskollegs hätten den Strukturwandel verschlafen und es gebe ein Überangebot im gewerblich-technischen Bereich. Beides sei grundfalsch. Erstens hätten sich die Berufskollegs längst auf den Strukturwandel ausgerichtet. So decke nur noch das Willy-Brandt-Berufskolleg in Rheinhausen schwerpunktmäßig die klassischen Metallberufe, also für die Stahlindustrie, ab. Das Robert-Bosch- Berufskolleg im Duisburger Norden sei auf Mechatroniker allgemeiner Ausrichtung spezialisiert, die Huckinger auf Maschinenbau- und Fahrzeugtechnik. „Daimler schickt sämtliche angehenden Mechatroniker vom linken Niederrhein zu uns”, sagt Machon.
Und Dr. Helmut Richter, sein Kollege vom Willy- Brandt-Berufskolleg in Rheinhausen, gibt zu bedenken, selbst die verschiedenen Mechatroniker- Ausbildungen könne man nicht einfach zusammenlegen. „Sie haben überhaupt nichts miteinander zu tun.” In all diesen Bereichen gebe es kein Überangebot. Genauso, wie keine andere Schule die Aufgaben des Schifferberufskollegs in Homberg übernehmen könne, könne auch keine andere Schule die Ausrichtung auf Kältetechnik übernehmen. Die Huckinger Schule ist nicht nur für Azubis aus den beiden Regierungsbezirken Köln und Düsseldorf Berufsschule. Der Nachwuchs des Linde-Konzerns schickt sie aus dem ganzen Bundesgebiet nach Duisburg. In Rheinhausen hat die zuständige Innung erst seit 2003 mit europäischen Fördermitteln (8,6 Mio Euro) ein Informationszentrum mit Internat errichtet. Das könne man doch, wundern sich Wolf Machon und sein Vize Walter Wagner, nicht einfach infrage stellen.
Auch rückläufige Schülerzahlen, so in allen Schulen der Sekundarstufe I bis 2018 um neun Prozent oder minus 2 500 Schüler, lassen beide Schulleiter nicht gelten. „Entscheidend ist die Zahl der Ausbildungsplätze”, sagt Dr. Richter. „Der Bedarf der Wirtschaft an Fachkräften bleibt voraussichtlich konstant.” Und für Schüler, die bis dahin keine Chance auf einen Ausbildungsplatz hatten, da sind sich die beiden Schulleiter einig, hätten die Berufskollegs die wichtige Versorgungsaufgabe, ihnen noch nachträg-
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