Heizung liefert Strom gleich mit
25.07.2008 | 12:33 Uhr 2008-07-25T12:33:00+0200
Beim Ersatz ihres alten Gasbrenners für die Zentralheizung entschied Familie Hennig aus Großenbaum sich 2003 für ein Blockheizkraftwerk
Uwe Hennig (42) aus Großenbaum muss sie geahnt haben, die stark steigenden Energiekosten. Jedenfalls ließ er schon 2003 seinen Altbau Zum Walkmüller, ein Haus Baujahr 1904 mit rund 190 Quadratmetern Wohnfläche, mit einem Blockheizkraftwerk modernisieren. Und das zahlt sich aus, je höher die Energiepreise klettern. „Damals hätten sich die Mehrkosten von 40 % gegenüber der konventionellen Gas-Zentralheizung nach achteinhalb Jahren amortisiert”, sagt der Leitende Angestellte.
Seit acht Jahren lebt Hennig mit Frau und zwei Kindern in dem Altbau, ließ ihn zuvor komplett sanieren. „Nur die Heizung blieb ausgeklammert”, erzählt er. Das sei im Nachhinein ein Fehler, denn für weitere Modernisierungen, etwa Solartechnik, müssten die Wände wieder aufgerissen werden. Nach zwei Jahren wertete Hennig die Heizkosten aus und war erstaunt über ihre Höhe. „Das lag nur an der alten Steuerungstechnik der Anlage”, weiß er heute. Er begann, sich nach Alternativen umzuschauen, besuchte eine Messe zum Thema „Erneuerbare Energien” in der Hamborner Rhein-Ruhr-Halle.
Dort machte Uwe Hennig Bekanntschaft mit dem Blockheizkraftwerk. „Eine Solaranlage rechnete sich demgegenüber nicht”, obwohl es auch dafür Fördermittel gegeben hätte. Die wurden in Hamborn gleich mit beworben: von der Kreditanstalt für Wiederaufbau (KfW). Die Hennigs entschlossen sich, die neue Technik in ihrem Keller installieren zu lassen. Kosten: rund 11 000 Euro, 3 000 Euro mehr als ein neuer Gasbrenner gekostet hätte. Der Clou: Die KfW finanzierte die komplette Investition zu 100 Prozent. Zinssatz: 1,85 %. „Ich zahle dafür im Monat etwa 40 Euro”, sagt der Geschäftsmann. Vier bis fünf Stunden, berichtet er, habe seinerzeit der Einbau der Anlage gekostet. Ummit der 500 Kilo schweren Apparatur die steile Treppe hinunter in den Keller zu kommen, hatte sie zerlegt werden müssen.
Seitdem arbeitet sie dort stö- rungsfrei - bei einmal jährlicher Wartung. Ein Einzylinder- Sachs-Industriemotor, gespeist mit Erdgas, bewegt einen Generator und erzeugt damit Strom. Mit der Abwärme des Motors und derjenigen der Abgase wird Warmwasser erzeugt - für Heizung und Brauchwasser. „Die Anlage soll bis zu 30 Jahre lang halten”, sagt Hennig. „Wir wollten einen aktiven Beitrag zum Umweltschutz leisten”, so der Familienvater. Als Vorteile der Investition notiert er, das Erdgas verbrenne fast rückstandsfrei. Deshalb benötige er auch keinen Kamin. „Der Schornsteinfeger war nur einmal bei der Abnahme da.” Statt 50 % Wirkungsgrad (also Umsetzung von Energie in Wärme) erzielt das Blockheizkraftwerk über 80 %. „Ich verkaufe an die Stadtwerke pro Jahr für 1 600 bis 1 900 Euro Strom”, erzählt der Hauseigentümer. Sein Eigenverbrauch an Strom von den Stadtwerken liegt etwa halb so hoch. „Außerdem bekomme ich die Ökosteuer auf Erdgas einmal im Jahr vom Zoll zurückerstattet”, berichtet der Großenbaumer. Hinzu komme die Verbrauchs-Ersparnis durch den neuen Gasbrenner: rund 25 %. Und: „In Kürze haben die Einnahmen aus dem Stromverkauf die Mehrkosten der Anlage ausgeglichen.” Von da an kommt die Einsparung ihm selbst zugute. Nachteile gibt es natürlich auch: die höheren Anschaffungskosten oder der größere Platzbedarf im Keller (etwa ein halber Raum). Je nach Standort könne die Anlage auch laut und störend sein. Dem Schornsteinfeger nehme sie Arbeit weg. Und für Stadtwerke wie Heizungsbetriebe sei sie auch ein Neuling.
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