Golden Fifties gibt Einblick in Trendtanz Boogie-Woogie

Die lässige Variante des Rock’n’Roll begeistert vom Schüler bis zum Rentner alle Altersklassen.
Die lässige Variante des Rock’n’Roll begeistert vom Schüler bis zum Rentner alle Altersklassen.
Foto: FUNKE Foto Services
Was wir bereits wissen
Der Duisburger Rock’n’Roll-Club „Golden Fifties“ gab am Wochenende Einblicke ins Lebensgefühl rund um Petticoat, Wasserwelle und Schiebermütze.

Mitte..  „Die Partnerinnen austauschen, das ist ganz typisch für die Swingszene“, erklärt Hans-Wilfried Mindt ernsthaft und ergreift die Hand der nächstbesten Dame. Damit an dieser Stelle keine Missverständnisse aufkommen, er meint tatsächlich die Swing- und nicht etwa die Swingerszene.

Der Duisburger Rock’n’Roll-Club „Golden Fifties“ (RRC) präsentiert am Tag der offenen Tür in der Sporthalle des Bert-Brecht-Berufskollegs die breite Palette seiner Angebote. Mindt ist der Boogie-Woogie-Trainer des Clubs und erklärt gerade für alle Neugierigen einen Grundschritt. „Also Rockstep, Step, Step, ohne den Rock’n’Roll-Kick, das sind vier Grundberührungen“, sagt er. Nach knapp zwei Minuten Erklärung tanzen die aus Gästen und Clubmitgliedern frisch gemischten Paare schon munter drauf los. „Rock my blues away“ wird gespielt, und die Petticoats der Vereins-Damen rauschen bei der ersten Drehung auf. Der Boogie-Woogie wird lässig und individuell getanzt und kommt ohne die spektakulären Akrobatikeinlagen des Rock’n’Roll aus. Man kann ihn auch noch aufs Parkett legen, wenn man selber schon längst in den Golden Fifties angekommen ist. Das heißt aber nicht, dass die Boogie-Woogies die Rock’n’Roll-Rentner des Clubs sind.

„Ja, unsere Boogies, die leben den Rock’n’Roll eigentlich am meisten von allen Gruppen“, sagt Gerald Wandrey, der Vereinsvorsitzende, nicht ohne Stolz. Die Swing-Ära liegt im Trend, das spürt auch der RRC. Die Mitgliederzahl ist mit über 90 Leuten so hoch wie lange nicht. Für einige junge Paare ist der Look der vierziger und fünfziger Jahre mit Petticoat, Wasserwelle, Pferdeschwanz, zweifarbigen Schuhen, Schiebermütze und weiten Hosen kein Tanzkostüm, sondern tägliches Lebensgefühl. „Die sind zu Hause passend eingerichtet und fahren sogar entsprechende Autos“, weiß Mindt zu berichten.

In den letzten Jahren hat sich eine sehr lebendige Szene entwickelt, mit Partys, Flohmärkten, Picknicks und internationalen Boogie-Workshops. Für Mindt, der schon 40 Jahre tanzt, ist das ein echtes Geschenk. „Da treffen sich vom Schüler bis zum Rentner Paare aus allen Altersklassen. Auf internationalen Workshops kann ich mit vielen Leuten kein Wort reden, aber zusammen tanzen und Spaß haben klappt eben auch ganz ohne Worte“, schwärmt er.

Die ganze Halle ist in Bewegung. Die Rock’n’Roll-Zwerge trainieren auf einem Parcours aus Kästen und Matten ihr Körpergefühl, die B-Klasse wirft sich im Hintergrund mit ihren Damen warm, die Paare lösen sich mit Solos ab. Ein Herr beschleunigt seine Partnerin und läuft ihr nach, um sie wieder einzufangen. „Die Figur habe ich denen aber nicht gezeigt“, sagt der Trainer erstaunt, „Boogie-Woogie ist halt immer das, was ein Paar draus macht.“