Fliegeralarm und Roggensuppe

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Wanheim..  70 Jahre nach Ende des Zweiten Weltkriegs erinnert der Männertreff der Evangelischen Gemeinde Wanheim an die schreckliche Zeit damals. Heinz Fork, 1929 in Wattenscheid geboren und schon lange Wanheimer, weiß noch viel von seiner Kindheit in Nazi-Deutschland: „Ich war in der Hitler-Jugend. Ich war weder dafür, noch dagegen, aber ich hatte ja keine Wahl.“Erst heute ist Fork bewusst, wie sehr er damals beeinflusst wurde.

Damals wunderte er sich, dass seine Familie kein Führerbild hatte. Als Zwölfjähriger schenkte er seiner Mutter eins zum Muttertag. Die Freude darüber hielt sich in Grenzen.

Die acht Mitglieder vom Männerkreis nehmen sich immer ein besonderes Thema vor. Einmal im Jahr bereiten sie dazu auch einen Gottesdienst vor, so auch den Zweiten Weltkrieg.

Kurt Block wurde 1935 auf der Insel Fehmarn geboren: „Wir mussten uns vor dem Unterricht draußen hinstellen und ‘Heil Hitler’ rufen - und das jeden Morgen.“ Mit sechs Jahren habe er damals gar nicht verstanden, was er da eigentlich tue. Die Erkenntnis sei bei ihm viel später gekommen. Seit 1972 lebt Block in Wanheim. Auf Fehmarn sei es schwierig gewesen eine Arbeit außerhalb Fischerei und Landwirtschaft zu finden.

1942 fingen die Bombenangriffe an. „Fliegeralarm war bestimmt zehnmal am Tag“, so Fork. Mit der ganzen Familie im Bombenkeller zusammengepfercht habe man für das Überleben gebetet. Im Kopf habe man die Bilder der Menschen gehabt, die solche Angriffe nicht überlebt hatten. Auch Kurt Block hat Leichen gesehen. Sie wurden immer wieder an den Strand der Insel Fehmarn angespült.

Als der Krieg 1945 zu Ende war, kamen die amerikanischen Soldaten. Block weiß noch genau, wie er Schokolade von den Amerikanern bekommen hat. „So etwas kannte ich von zu Hause gar nicht. Dafür war das Geld zu knapp.“

Wegen der Lebensmittelknappheit ist Fork damals über die Roggenfelder gegangen und hat lose Ähren gesammelt. In einer Kaffeemühle hat er sie dann gemahlen. Mit Wasser vermischt, gab es dann Suppe für die ganze Familie.

Familien durch den Krieg zerstört

Gegen Kriegsende arbeitete Fork als Lehrling im Bochumer Verein. Alle, die vorher SA-Uniformen getragen hatten, waren nach dem Sieg der Alliierten plötzlich verschwunden. Als sie dann wiederkamen, trugen sie Zivil. „Die waren ganz kleinlaut geworden“, so Fork.

Unzählige Familien wurden durch den Krieg zerstört. Kurt Block erinnert sich an 15-jährige, die in den Krieg geschickt wurden und nicht überlebten.

„Jahrgang 1928 wurde eingezogen. Ich hatte Glück“, weiß Fork, denn er ist 1929 geboren. Ich wünsche mir einfach, dass so etwas nie wieder passiert und meine Enkel in Frieden leben können“, sagt Block.