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Fit für den Arbeitsmarkt

18.05.2012 | 21:00 Uhr
Fit für den Arbeitsmarkt
Ausbilderin Theresia Seidel erklärt Kenan Kece, wie es geht. Foto: Tanja Pickartz/WAZ-FotoPool

Wanheim. Eine schlechte Nachricht tat das Diakoniewerk Duisburg erst vor drei Tagen kund. Es muss im Sommer - erstmals in seiner Geschichte - eine Ausbildungsstätte schließen: den Sanitär-, Heizungs- und Klimabetrieb. Die dreieinhalbjährige Ausbildung wird von Jobcenter und Agentur für Ar­beit nicht mehr mitgetragen.

Die weiteren Werkstätten in Wanheim sind nach Auskunft von Lothar Wilhelms, dem Leiter des Fachbereichs Arbeit & Ausbildung, aber nicht gefährdet. Zurzeit zählt man im Qualifizierungszentrum an der Alten Kaserne (eingeweiht 2009) knapp 60 Teilnehmer an Ausbildungsgängen, Berufsvorbereitungs- oder Weiterbildungsmaßnahmen: etwa 20 in der Tischlerei, über 20 in der Malerwerkstatt, (noch) drei im Metallbereich und fünf in der Polsterei. Wir schauten uns vor Ort um.

„Tatort“ Tischlerwerkstatt: Mit einer Japansäge versucht Kenan Kece (21) am Werktisch, einen Holzblock zu halbieren. Ausbilderin Theresia Seil, gelernte Tischlerin und Arbeitspädagogin, gibt dem Azubi im ersten Lehrjahr Tipps. Der junge Mann will Holzbearbeiter werden, nach drei Lehrjahren ein Zertifikat der Handwerkskammer in der Tasche haben. „Wir haben hier momentan 14 junge Leute, die die Ausbildung zum Holzbearbeiter absolvieren. Sie können später als Helfer in Tischlereien oder im Palettenbau unterkommen - und die meisten tun das erfahrungsgemäß auch“, weiß Seil zu berichten. Sebastian Gnott (21) hat seine Ziele viel höher gesteckt: „Ich möchte weitermachen, Tischler werden und später mal den Meister machen“, sagt der Azubi. Die Tischlerausbildung läuft bei der Diakonie zwar auch aus, vielleicht ergibt sich über ein externes Praktikum aber die Möglichkeit, in einen anderen Betrieb einzusteigen . . .

Auf sich gestellt sind die „Lehrlinge“ in den Werkstätten nie. Die sozialpädagogische Begleitung ist wichtiger Bestandteil der Ausbildung. Denn: Die Teilnehmer sind in der Regel junge Menschen, die mit einer geistigen oder sozialen Behinderung leben müssen - und/oder Langzeitarbeitslose und Ausbildungssuchende, die in der Berufsvorbereitung „schon Schleifen gedreht“ haben. „Wir führen mit den neuen Bewerbern eine Eignungsanalyse durch, gucken, welches Berufsfeld am besten zu ihnen passt“, so der Klaus Janowitz, pädagogischer Leiter im Zentrum. Die angebotenen Ausbildungsgänge sind derzeit: Tischler, Holzbearbeiter, Maler/Lackierer, Bauten- und Objektbeschichter, SAK-Anlagenmechaniker (läuft aus). An anderen Standorten wird noch im Gartenbau oder Verkauf ausgebildet.

Neben der Praxis in der Werkstatt und dem obligatorischen Berufsschultag pro Woche findet in Wanheim sogenannter Stützunterricht statt, in dem jeder Azubi - allgemeinbildend und fachtheoretisch - individuell gefördert wird. Außerdem ermöglicht man den Teilnehmern, den Führerschein zu erwerben, ohne den man heutzutage kaum noch Anstellung findet. Die Pädagogen sind zudem Ansprechpartner bei persönlichen Lebensproblemen, helfen beim Erwerb von mehr Sozialkompetenz.

Ausbildungsabbrecher gibt es beim Diakoniewerk dank der intensiven pädagogischen Betreuung nur wenige. Ein Großteil der Azubis kann sogar auf dem ersten Arbeitsmarkt landen. Dank des ausgeklügelten Hilfe-Programms. Ein Konzept, das nach Meinung von Michael Richard-Sommer, stellvertretender Fachbereichsleiter, nicht verzichtbar ist. „Unsere jungen Leute befinden sich meist noch im Entwicklungsstadium, die persönliche Nähe zu Ausbildern und Betreuern ist wichtig. In einem normalen Handwerksbetrieb ist ei­ne solche Betreuung ja gar nicht zu leisten.“

In der Malerwerkstatt ruhen Spachtel und Rolle heute, eine Prüfungssituation wird simuliert. Man will die Azubis fit machen für die Abschlussprüfung zum Bauten- und Objektbeschichter im Juni. Morgen wird an den Übungswänden aber wieder das Verputzen und Streichen trainiert . . .

Andrea Müller


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