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Feuerwerk der Argumente

21.01.2010 | 16:38 Uhr
Feuerwerk der Argumente

Schüler sprechen sich vehement gegen die Schließungspläne für das Bertold-Brecht-Berufskolleg aus. Vor allem die Spezialisten in der Lehrerschaft werden geschätzt.

Eine Mischung aus Empörung, Enttäuschung und gewohnter Routine kennzeichnete die Stimmung am Bertolt-Brecht-Berufskolleg. Tags zuvor war bekannt geworden, dass OB Adolf Sauerland die Huckinger Schule mit ihren 2 111 Schülern schließen will. So recht daran glauben mochte noch niemand. „Unsere Schule wird seit Jahren genannt”, gibt Beratungslehrerin Petra Grzegorek zu bedenken, als sie aus ihrem kleinen Beratungsbüro im Erdgeschoss tritt. „Die Lage und das Gelände sind attraktiv.” Die Aufgabe, Schüler aus dem Süden überhaupt erst (berufs-)ausbildungsfähig zu machen, könnten andere Schulen nicht so einfach übernehmen.

Am größten ist das Entsetzen bei den Kälte- und Klimatechnikern, die aus dem ganzen Rheinland einmal in der Woche zur Berufsschule nach Huckingen anreisen. „Das wäre einfach unverschämt”, sagt Adnan Deveci (20) aus Brühl bei Bonn. „Die nächste Schule wäre im Sauerland.” Auch Daniel Brockmann (20) ist angehender Mechatroniker für Kälte- und Klimatechnik, stammt aus dem Sauerland. Seine Lehrstelle fand er in Wuppertal. „Es gibt öffentliche Einrichtungen, die für die persönliche Existenz weniger wichtig sind als diese Schule”, sagt er. Theater etwa. Die meisten Lehrer in seinem Fach, sagt er, würden nur den Bereich Heizung-Sanitär beherrschen, weniger die moderne Klimatechnik. Solche Experten aber finde man hier.

Tarik Olcas (20) aus Köln und Nicholas Kolonko (16) aus Mönchengladbach geben zu bedenken, dass die Branche selbst ihr Informationszentrum wegen der Nähe zur Schule erst vor zwei Jahren nach Duisburg verlegt hat. „Angeblich wollen die Politiker doch mehr für Bildung ausgeben”, wundert sich Carsten Stecker (19) aus Neudorf. Er will Informationstechnischer Assistent werden. „Tatsächlich sieht es ganz anders aus.” „Die nächsten vergleichbaren Schulen gibt es in Moers und Essen”, sagt Klassensprecherin Jennifer Witt (19) aus Neuenkamp. „Ich könnte später gar nicht hierher zurückkehren, wenn ich meine Berufsausbildung machen will”, kritisiert Samet Ince (19) aus Hamborn. Sie belegt den Vollzeitkurs zur Kaufmännischen Assistentin.

Mandy Kaygalak (16) aus Huckingen wundert sich, worin die Einsparung liegen soll, wenn die Stadt künftig für die Schüler aus dem Süden Fahrgeld zahlen müsste. Tina Bräuer (23) aus Großenbaum wiederum müsste ihre Ausbildung sogar abbrechen. Lange Schulwege kann sie nicht auf sich nehmen. „Ich habe zwei Kinder”, sagt sie. Und dass man sich vor der Prüfung im nächsten Jahr womöglich noch auf andere Lehrer einstellen müsste, hält Koc Betül (17) aus Wanheimerort für unzumutbar. „Ich hab' mich für diese Schule entschieden, weil sie den kompetentesten Eindruck machte”, argumentiert Lukas Müller aus Stadtmitte (20). Dafür gehe er morgens eine Stunde früher aus dem Haus.

Eine Riesenschule, wie in Neudorf geplant, ist auch für Mike Meyer (26) aus Beeckerwerth keine Alternative. Lehrerin Sonja Gnüg hält gerade die Mischung von Technikern und Kaufleuten am Biegerfelder Weg für gelungen. Die klassische Hierarchie von Bankkaufleuten, Groß- und Einzelhändlern – für rein kaufmännische Schulen typisch – gebe es hier erst gar nicht. Und Sozialpädagoge Manfred Breß gibt zu bedenken, eine größere Schule mache es nicht gerade leichter, Schüler in Krisensituationen zu begleiten. Das aber funktioniere hier mit Erfolg.

Tag der offenen Tür

Am Samstag, 23. Januar, 10 Uhr bis 13 Uhr, lädt das Bertolt-Brecht-Berufskolleg, Biegerfelder Weg in Huckingen, zum „Tag der offenen Tür ein”. Klassen aller angebotenen Bildungsgänge geben dann Einblicke in ihren Unterricht. Projektarbeiten werden vorgestellt. Alle Abteilungsleiter und Beratungslehrer stehen zu Gesprächen zur Verfügung. Und für das leibliche Wohl der Besucher ist auch gesorgt. Die Schule ruft trotz der Schließungspläne dazu auf, sich bei ihr anzumelden. Wer dort eine Ausbildung beginne, so heißt es, könne sie in der gewohnten Qualität zu Ende bringen. Die offiziellen Anmeldezeiten sind vom 1. bis 12. Februar montags bis freitags von 11 bis 15 Uhr an der Schule, ferner zusätzlich donnerstags von 16.30 Uhr bis 17.30 Uhr.

Martin Kleinwächter

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Kommentare
06.01.2011
17:40
Feuerwerk der Argumente
von nixxnuzz | #1

Bertolt-Brecht-Berufskolleg.
?
?
Ist da nicht vorkurzer Zeit -
die Lehrer-Fortbildungs - Sauna abgebrannt worden?

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