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„Eva bringt Leben in die Welt“

01.07.2012 | 08:00 Uhr
„Eva bringt Leben in die Welt“
Adam und Eva in einem Kupferstich von Albrecht Dürer. Foto: Alexander Volkmann/Thüringer Allgemeine

Ungelsheim. Von Gleichberechtigung der Frau kann nach herrschender Meinung in der Bibel keine Rede sein. So stützt die Katholische Kirche ihr Männer-Priestertum bis heute darauf. Dass auch eine andere Sichtweise dazu möglich ist, versuchte Rainer Kaspers, Pfarrer der Evangelischen Auferstehungsgemeinde, beim Auftakt des Ökumenischen Bibelgesprächs jetzt deutlich zu machen. Die neue Gesprächsreihe ist dem Thema „Starke Frauen in der Bibel“ gewidmet.

Eva, die erste Frau, gilt gemeinhin auch als erster sündiger Mensch, war sie es doch, die nach der Überlieferung der Versuchung durch die Schlange erlag, dabei Gottes Gebot brach und vom „Baum der Erkenntnis“ aß. Aber der Pfarrer gab der biblischen Erzählung davon, wie Gott Mann und Frau erschuf, eine andere Deutung.

Zunächst wies er darauf hin, dass es zwei Schöpfungsgeschichten im Alten Testament gibt. Die eine handelt von der Entstehung der Erde an sechs Tagen. Darin sei gleichberechtigt von „Mann und Frau“ die Rede.

Entscheidend für Kaspers Auslegung ist indessen die zweite Schöpfungsgeschichte, die Erzählung vom Sündenfall und vom Verstoß aus dem Garten Eden. Dabei erhalten Mann und Frau erstmals Namen: Adam bedeute, so der Referent, im Hebräischen „Mensch“ und Eva stehe dort für „Leben“. Auch in den den Israeliten benachbarten Religionen der Sumerer, Babylonier und Ägypter, erfuhren die Teilnehmer, gebe es eine Urmutter wie Eva.

„Sie ist es erst“, gab er zu bedenken, „die Leben in die Welt bringt.“ Denn ohne sie sei keine Fortpflanzung möglich gewesen. Und wenn es darin heiße „Gott schuf sie als Mann und Frau zu seinem Bilde“, dann sei damit gemeint, dass beide nur gemeinsam einen Abglanz Gottes darstellen würden. Gemeinsam hätten sie etwas Göttliches in sich. „Dieser eine Gott“, so seine Folgerung, „hat Beides in sich, das Weibliche und das Männliche.“ Diese Polarität sei immer angelegt gewesen. Der Schöpfungsbericht feiere förmlich diese Zweisamkeit.

Die Ursünde, das Essen vom Baum des Lebens und damit der Beginn der menschlichen Sterblichkeit, die erst durch den Tod Jesu wieder aufgehoben wird, sie ist, so legte es Kaspers dar, womöglich auf ein Versäumnis Adams, also des Mannes, zurückzuführen. Denn als Gott das Verbot im Garten Eden gegeben habe, habe Eva noch gar nicht existiert. Erst danach sei sie aus der Rippe des Mannes geschaffen worden. „Der, der es hätte wissen müssen, sagt nichts“, so der Pfarrer.

Und so könne man Eva auch als diejenige bezeichnen, mit der der Drang nach Erkenntnis in die Welt gekommen sei. „Der Baum macht klug, macht wissend. Beide erkennen sich danach selbst“, so Kaspers. Und dabei sei sie die Aktivere, die nach Veränderung strebe. Wortgewandt habe sie mit der Schlange diskutiert. „Erkenntnis führt zu Entwicklung“, so Rainer Kaspers. Das Wort „Sünde“ erscheine in diesem Zusammenhang gar nicht. Von Adam zeichne die Geschichte dagegen das Bild des klassischen Mitläufers. Trotz aller männerfreundlichen Auslegung der Bibel in Jahrhunderten könne das nicht übersehen werden.

Martin Kleinwächter


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