Erinnerungen an die Straßenbahn mit Speisewagen

Die D-Bahn mit Speisewagen in den 1950er Jahren an der Haltestelle Kesselsberg.
Die D-Bahn mit Speisewagen in den 1950er Jahren an der Haltestelle Kesselsberg.
Foto: FUNKE Foto Services
Edda und Wolfgang Voos aus Buchholz bekamen einen Stapel alter Fotos geschenkt

Buchholz..  Ein ungewöhnliches Abschiedsgeschenk erhielten Edda und Wolfgang Voos jetzt vom Sohn ihrer verstorbenen Mieterin. Nach dem Ausräumen der Wohnung seiner Mutter überreichte Helmut Kai­ser ihnen fünf Umschläge. Darin befand sich aber kein Geld, sondern mehrere hundert Abzüge von Fotografien mit alten Ansichten aus dem Duisburger Süden.

Sie stammen nicht aus dem Nachlass der Mieterin. Vielmehr hat Kaiser sie selbst gesammelt bzw. in drei Jahrzehnten gemacht.

„Unsere Mieterin ist vor Weihnachten verstorben“, berichtet Edda Voos. Da sei sie mit dem Sohn, Helmut Kaiser eben, ins Gespräch gekommen. Anknüpfungspunkt war der Speisewagen in der D-Bahn, der Straßenbahn von Duisburg über Huckingen nach Düsseldorf. Bis in die 80er Jahre führte sie diesen Imbisswagen. „Da hab’ ich immer einen Kaffee getrunken“, berichtete die 75-Jährige dem Hobby-Fotografen. Und der erwiderte ihr: „Und da hab’ ich Bilder von.“

Die Abzüge zeigen die Innenstadt und den Duisburger Süden in den 50er bis 80er Jahren. Einige Stunden lang schwelgten Edda Voos und ihr Mann Wolfgang (78) bei der Durchsicht in Erinnerungen. Dann beschlossen sie, den klei­nen Schatz der Redaktion zur Verfügung zu stellen.

Rahm in der Nachkriegszeit

Edda Voos wuchs in Rahm, An der Huf, auf. „Bei Kriegsende hatten die Deutschen die Backsteinbrücke der heutigen Autobahn 524 über die Bahngleise in Rahm gesprengt“, berichtet sie. Die Trümmer lagen auf den Gleisen. Dadurch sollte der Vormarsch der Alliierten aufgehalten werden.

Nach Kriegsende sei deshalb lange kein Zug nach Düsseldorf gefahren. „Die Züge fuhren nicht mal von Duisburg bis Großenbaum“, so Edda Voos. „Wir mussten folglich zu Fuß von Rahm aus bis zum Sittardsberg laufen, wenn wir mit der D-Bahn in die Stadt wollten.“

Der Busschaffner kannte noch jeden Fahrgast

Als sie in Stadtmitte bei Horten 1954 ihre Lehre als Verkäuferin begann, nahm sie von Rahm aus morgens den Bus der Linie 34. Auch daran hat sie eine schöne Erinnerung: „Wir konnten vom Haus aus sehen, wenn der Bus auf der Angermunder Straße gefahren kam. Meine Mutter sagte mir Bescheid, wann ich zur Haltestelle musste.“ Aber auch so hätte der Schaffner, den es damals in Linienbussen noch gab, gewartet, bis wir alle drin waren. „Er kannte jeden von uns.“

Ihrem Mann Wolfgang ist Edda Voos 1954 bei Horten noch nicht begegnet, obwohl der im gleichen Jahr seine Lehre dort beendete und ins elterliche Möbelgeschäft an der Düsseldorfer Landstraße 164, also am Sittardsberg, wechselte. 48 Jahre lang führte Wolfgang Voos das Möbelhaus, bis 2002.