Entlang des Angerbachs wachsen clevere Kräuter

Tiger & Turtle (links oben) war der Ausgangspunkt der Exkursion ins Biotop.
Tiger & Turtle (links oben) war der Ausgangspunkt der Exkursion ins Biotop.
Foto: Fabian Strauch
Was wir bereits wissen
Eine Exkursion bringt den Teilnehmern die Pflanzenwelt am Angerbach näher – zum Beispiel Schweinebratenkraut und Kompasslattich.

Wanheim..  „Ohne den Wind könnte man das ja wirklich nicht aushalten“, merkt ein Teilnehmer der Führung an und erntet zustimmendes Nicken. Doch selbst die tropischen Temperaturen, die am Wochenende an der 40-Grad-Grenze kratzten, hinderten die naturinteressierten Duisburger nicht daran, an einer Führung der Reihe „Biotope in Duisburg“ teilzunehmen. Die Volkshochschule hatte Biologin Daniela Scharf damit beauftragt, den Bürgern die Flora entlang des Angerbachs nahezubringen.

Schon auf dem Weg vom Treffpunkt am Fuße der Heinrich-Hildebrand-Höhe bis zum Angerbach findet die Fachfrau eine Menge Pflanzen. Der Rainfarn etwa, ein gelbes Blümchen, sei früher vor allem zum Färben benutzt worden, genauso wie die Schwarzerle, die die Gruppe wenig später passiert. Und während Expertin Scharf schon über den Einsatz der Karde beim Reinigen von Schafwolle referiert, sendet Mutter Natur höchstselbst ihre Grüße – in Form einer riesigen Sichelschrecke, die sich auf dem Hut einer Teilnehmerin niederlässt.

Beim bereits vom Namen her vielversprechenden Schweinebratenkraut zahlt es sich aus, dass viele der eigentlich angekündigten Teilnehmer vor der Hitze kapituliert haben und nur ein harter Kern gekommen ist. So bleibt für jeden Naturinteressierten ein Stück des Krauts zum Riechen. Tatsächlich handelt es sich bei der Pflanze übrigens um heimischen Rucola, der allerdings wenig mit der kulinarischen Variante gemein hat. Im Gegensatz zum Schweinebratenkraut macht der Kompasslattich seinem Namen alle Ehre. Die Teilnehmer staunen nicht schlecht über so viel Cleverness bei einer Pflanze, als Daniela Scharf erklärt, dass sich die Blätter stets mit der kleinstmöglichen Fläche zur Sonne wenden, um nicht auszutrocknen. Eine Fähigkeit, um die die Pflanze mit Sicherheit viele Führungsteilnehmer beneiden.

Einheimische und zugewanderte Pflanzen

Endlich an der Anger angekommen, gibt es direkt ein Begrüßungsgeschenk des Bachs. Die Passage des Wasserlaufs unter der Ehinger Straße nämlich bietet ein höchst willkommenes Schattenplätzchen, in dem auch die härtesten Naturburschen eine kurze Pause einlegen. Doch auch unter der Brücke gibt es Pflanzen zu bestaunen, etwa den dickblätterigen Japanknöterich. Der kommt, wie findige Hobbybiologen bereits vermutet haben, ursprünglich aus Japan, gelangte zum Beispiel über Containertransporte nach Deutschland und ist damit ein Neophyt, also quasi eine zugewanderte Pflanze. Ebenfalls pflanzlicher Immigrant ist das Schöllkraut. „Der Milchsaft wurde früher zur Warzenbekämpfung eingesetzt, mittlerweile gilt er aber als zu unsicher“, erklärt Scharf.

Vorbei an Brennnesseln und einem Eschen-Ahorn geht es zu einer großen Platane, nach Schätzungen der Expertin hat sie bereits 60 bis 70 Jahre am Angerbach hinter sich. Nach einem kurzen, weniger schönen Anblick, der maroden Flussbettbefestigung nämlich, geht es weiter zum Rotklee, den Teilnehmerin Marga Jacobsen aus ihrer Kindheit kennt. „Früher haben wir immer die Blüten ausgesaugt, weil die so süß waren. Nach dem Krieg war das unser Bonbonersatz“, erinnert sich die 82-Jährige. Zusammen mit ihrem Mann Jürgen ist die Duisburgerin direkt aus dem Fitnessstudio zum Angerbach gekommen. „Uns als Rahmern war gar nicht bewusst, wo der Angerbach überhaupt hinter Rahm weiterfließt, das ist sehr interessant“, freut sich Jürgen Jacobsen. Und neben den Informationen zu den zahlreichen Pflanzen wird auch diese Frage der Jacobsens beantwortet: Der Angerbach endet am Rhein – genau wie die gelungene Führung.