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Ein eingespieltes Team

15.06.2012 | 08:00 Uhr
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Die Integrationshelferin Jennifer Steinmetz an der Realschule-Süd mit Schülerin Marie (11 J.) Foto: Udo Milbret/WAZ FotoPool

Huckingen. Wenn Marie einmal nicht versteht, wie eine Aufgabe gemeint ist, dann kann sie auf Jenny Steinmetz bauen. Die 20-Jährige sitzt im Klassenraum direkt neben ihr und erklärt ihr die Aufgabenstellung erneut - leise, langsamer, mit anderen Worten. Sie ist nämlich Integrationsassistentin und hilft dem elfjährigen autistischen Mädchen seit einigen Monaten dabei, den Schulalltag erfolgreich zu bewältigen.

Integrationsassistenten und -assistentinnen gibt es stadtweit eine ganze Reihe. Sie kommen immer dort zum Einsatz, wo behinderte Kinder eine Regelschule besuchen und dabei ein gewisses Maß an zusätzlicher Unterstützung benötigen. Jenny Steinmetz ist eher zufällig an diesen Job geraten. „Ich habe nach dem Abitur nicht so richtig die passende Ausbildung gefunden, wollte mich aber gerne sozial engagieren. Da bin ich auf die Lebenshilfe Duisburg gestoßen. Dort absolviere ich nun seit Dezember ein berufsvorbereitendes soziales Jahr“, erklärt sie. Durch Praktika in Kindergärten war ihr die Arbeit mit Kindern vertraut. Und ihr Berufswunsch geht ohnehin „in Richtung Heilpädagogik“.

Marie, die durch Asperger-Autismus gehandicapt ist, braucht etwas speziellere Zuwendung als nicht-behinderte Schüler. Zwar kommt sie im Unterricht gut mit und versteht den Stoff, aber sie braucht einfach etwas länger als andere. Vermittelnd muss ihre Betreuerin manchmal auch beim sozialen Miteinander auftreten. Denn: „Marie kann Mimik und Gestik der anderen Menschen nicht lesen und hat daher oft das Gefühl, nicht verstanden zu werden“, erklärt Jenny Steinmetz. Außerdem könnten kleinste Ereignisse die Elfjährige völlig verwirren. Als kürzlich eine Kirsche hinunter und in ihren Hosenaufschlag fiel, geriet sie in helle Aufregung. „Ich erkläre ihren erstaunten Mitschülern dann, warum sie so reagiert und dass die Stimmungsschwankungen oder auch andere Verhaltensauffälligkeiten mit ihrer Behinderung zu tun haben. Bisher haben die Kinder solche Hinweise immer verstanden und akzeptiert.“

Ins große „Abenteuer“ stürzten sich Marie und Jenny im Februar gemeinsam: den Wechsel aus der 6. Klasse der Förderschule in Großenbaum in eine 6. Klasse der Huckinger Realschule. „Das ist super gut gelaufen, Marie hat direkt am ersten Tag eine Freundin gefunden und ist jetzt in eine Gruppe von vier Mädchen gut integriert. Das ist einfach schön zu sehen“, freut sich Steinmetz. Vielleicht liege es auch daran, dass ihr Schützling eigentlich sehr offen sei: „Bei unserem ersten Treffen, bei ihr zu Hause, hat sie mir direkt ihre Bücher und ihre DVD-Sammlung gezeigt.“

Die Arbeit beginnt für die Inte­grationshelferin morgens um 7.30 Uhr, wenn sie ihren Schützling zu Hause abholt und endet nach Schulschluss, wenn die zwei wieder daheim angelangt sind. Die Integrationsassistenz sei an sich nicht schwierig, findet die 20-Jährige, auf Besonderheiten bei der Betreuung behinderter Kinder wird sie von ihrem Arbeitgeber - der Lebenshilfe Duisburg - durch Fortbildungen vorbereitet. Manchmal helfe es auch, sich auf seine Intuition zu verlassen. „Wichtig ist vor allem, ruhig und besonnen zu bleiben - und das kann ich gut, weil ich ein ruhiger und geduldiger Mensch bin“, sagt Jenny schmunzelnd.

Ziel der Integrationsassistenz ist es, dass betreute Kinder irgendwann einmal ohne Hilfe in der Regelschule bestehen können. Jenny arbeitet schon ein wenig darauf hin: „In manchen Fächern setze ich mich mit Absicht nach hinten, damit Marie ganz ohne meine Hilfe agiert - und in den Pausen stelle ich mich extra weiter weg, damit die Kinder unter sich sind. Marie soll ja nicht wie ein ABC-Pflaster an mir kleben, sondern langsam selbstständig werden.“

Info

ntegrationsassistenz oder -hilfe können Eltern von behinderten Kinder beim Jugendamt (für Kinder mit seelischer Behinderung) bzw. beim Sozialamt (mehrfachbehinderte Schüler) beantragen. Sie gilt jeweils für ein Jahr, abhängig von den Berichten der Lehrer und des Assistenten wird die Betreuung danach immer wieder um ein Jahr verlängert. Der Umfang der Betreuung richtet sich nach dem Bedarf des Kindes. Die Stadt Duisburg beauftragt verschiedene Träger mit der Aufgabe, es entstehen dabei - so Bernhard Fastabend (Jugendamt) „nicht unerhebliche Kosten“. Im Jahr 2010 gab es rund 250 Inte­grationshelfer in ganz Duisburg an allen Schulformen. Die Zahl der Fälle nimmt nach Auskunft Fastabends kontinuierlich weiter zu. Deshalb versuchten die beteiligten Ämter und Träger, das Verfahren weiter zu optimieren. Die Integrationsassistenz gehört zu den erzieherischen Hilfen, den Pflichtaufgaben der Stadt.

Andrea Müller

Kommentare
15.06.2012
10:42
daily dokusoap: oh dear, what poor people
von Felderhoff | #1

Auf welchem Lohnniveau bewegen sich Integrationshelfer? Können sie von ihren Einkünften leben? Dient die Einrichtung derartiger "Arbeitsplätze" nur dem Schönen der Arbeitslosenstatistik?
Ich würde mich freuen, wenn die WAZ noch einige neutrale Informationen geben würde und nicht in den Stil von Dokusoaps abgleiten würde.

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