Ein buntes Tor für Neuenkamp

Neuenkamp.. Die Lkw-Fahrer brausen im Minutentakt über die Essenberger Straße, vorbei am Marientor. Es ist neblig, der Ort grau in grau. Ein paar Männer schneiden Bäume zurück, häckseln Äste und machen Lärm. „Das ist ein typischer Duisburg-Ort“, sagt Martin Schmitz. Ein typischer Ort für den Künstler, um aktiv zu werden.

Schmitz, gelernter Architekt, macht Urban Art. Er hat schon die Spundwand am Parallelhafen koloriert, für das Projekt Hummeln und Himmeln die Rückseite von Hafenschildern verziert – nun widmet er sich der Umgebung des Marientors, um eine einladendes Entrée für Neuenkamp zu schaffen. „Die Halbinsel Neuenkamp und Kaßlerfeld ist wie ein Mikrokosmos. Oft ist Industrie im Ruhrgebiet nur noch Kulisse. Aber hier sieht man die Arbeit, den Hafen.“ Gleichzeitig werde der Mensch ganz klein. Über die Brücke donnert die Autos über den A 40-Zubringer. „Als Autofahrer hat man eine andere Perspektive, aber als Fußgänger oder Fahrradfahrer kann man hier auch ein bisschen Angst bekommen.“

Schmitz will nun eine Wand, die entlang der Essenberger Straße verläuft und ein altes Firmengelände begrenzt, in verschiedenen Farbschattierungen bemalen. Der Sockel soll grün werden, die Farben darüber zwischen sattem Pink und Rosa changieren. Sechs Entwürfe hat er bereits gemacht. „So etwas muss sich entwickeln. Ich bin kein Genie.“ Schnell merkte der Wahl-Duisburger, dass er auch die Säulen, die die Brücke stützen, miteinbeziehen will. „Die Wand ist ja nur eine etwas größere Leinwand. Mit den Säulen wird es ein räumliches Erlebnis.“ Und damit auch alle Bescheid wissen, dass an dieser Stelle Neuenkamp beginnt, soll eine Säule mit einem riesigen Schriftzug versehen werden.

Davon ist auch Bürgermeister Manfred Osenger begeistert. „Wir sind ein Team, alleine kann man das nicht stemmen“, lobt Schmitz. Osengers Aufgabe ist es, Organisatorisches zu klären. So müssen zum Beispiel die Wirtschaftsbetriebe zustimmen, dass die Wand bemalt werden darf. Außerdem soll im Mai ein Förderantrag beim Kulturbeirat eingereicht werden. Später könnten dann wieder Freiwillige bei den Vorarbeiten, wie der Reinigung, helfen. „Das hat beim Parallelhafen gut funktioniert. Die Leute waren begeistert. und die Lkw-Fahrer freuen sich, wenn sie dort lang müssen“, hat Osenger beobachtet. Auch Firmen entlang der Essenberger Straße sollen angesprochen werden, ob sie nicht etwas spenden möchten.

Martin Schmitz freut sich schon , Autofahrer unerwartet mit Kunst zu konfrontieren. „Kunst ist ein gesellschaftliches Gut.“ Er sieht es als seine Aufgabe, der Gesellschaft etwas zurück zu geben. „Kunst gibt es eben nicht nur in Ateliers.“