Duisburgerin rettet Lebensmittel vor der Mülltonne

Der Fair-Teiler im Keller der Uni Duisburg kommt bei den Studenten gut an. Initiatorin Virginia Kunst schaut regelmäßig nach dem Rechten.
Der Fair-Teiler im Keller der Uni Duisburg kommt bei den Studenten gut an. Initiatorin Virginia Kunst schaut regelmäßig nach dem Rechten.
Foto: FUNKE Foto Services
Was wir bereits wissen
Lebensmittel-Retterin Virginia Kunst arbeitet bereits mit 30 Betrieben in Duisburg zusammen. Kostenlose "Fair-Teiler"-Stelle an der Uni Duisburg.

Duisburg.. Virginia Kunst wirft einen Blick in den Kühlschrank: gähnende Leere. Zeit für Nachschub. Vor einem Jahr gründete die Wedauerin den „Fair-Teiler“ am Campus der Universität Duisburg. Der „Fair-Teiler“ ist ein Ort, an dem überschüssige Lebensmittel abgegeben und mitgenommen werden können. Eier, Brote, Kühlwaren, Obst und Gemüse – alles, wofür es keine Verwendung mehr gibt, kostenlos. Das Ziel: Nahrungsmittel vor dem Wegwerfen zu retten. Jeder darf sich an den Waren bedienen, auch ohne etwas hineingelegt zu haben. Nur eine Regel gibt es: „Bitte teilt nur Lebensmittel, die Ihr auch selbst noch essen würdet“, ist einem Plakat zu entnehmen, das auf dem Kühlschrank klebt. Die Idee scheint gut anzukommen. Bis auf ein paar Brote und Aufbackbrötchen sind die Regale im Keller des Campus wie leergefegt.

Eine Reportage machte die 37-jährige Lebensmittelretterin auf das Projekt Foodsharing aufmerksam. Seitdem ist sie mit Leib und Seele dabei. Eine Portion, die beim Mittagessen übriggeblieben ist, oder Essbares, das nach der letzten Geburtstagsfete in die Tonne wandern sollte, schnappt sie sich, um es anbieten zu können – im Internet. Nutzer der Internetplattform foodsharing.de können die virtuellen Essenskörbe einsehen. Wer bietet wo etwas an? Nach Kontaktaufnahme können die Nahrungsmittel abgeholt werden – zu Hause oder an einem vereinbartem Treffpunkt. Alles kostenlos.

Kooperation mit Lebensmittelgeschäften

Ihr Engagement beförderte Kunst zu einer Foodsaverin. Foodsaver bekommen überschüssige Leckerbissen von kooperierenden Betrieben und Geschäften. Die meisten Lebensmittel holt die 37-Jährige Wedauerin von kleinen Geschäften und Markthändlern aus der Umgebung ab – zu Fuß oder mit dem Fahrrad. Nachhaltigkeit schreibt sie groß. Etwa 30 lebensmittelverarbeitende Institutionen aus Duisburg konnte sie bisher für das Projekt begeistern. Mehrmals pro Woche stattet Kunst den Betrieben einen Besuch ab. Mit vollen Tüten und Fahrradtaschen fährt sie dann nach Hause. Die Köstlichkeiten, die sonst auf dem Müll gelandet wären, finden jetzt wieder Verwendung. Das Essen behält Kunst für den eigenen Bedarf oder verteilt es an Freunde, Nachbarn und die Familie. Die Überschüsse stellt sie dem Fair-Teiler zur Verfügung.

Kühlschränke, Gefrierfächer und Regale wurden für die Einrichtung gespendet. Ein Plan sorgt dafür, dass Lebensmittelrichtlinien eingehalten werden. Einmal am Tag schaut jemand nach dem Rechten, wischt die Regalböden durch und sortiert faules Obst aus. „Ein Halbtagsjob“, betont die 37-Jährige. Und ein ehrenamtlicher Job, dennoch für Kunst ein großer Gewinn: „Ich spare viel Geld, da ich nicht mehr so oft einkaufen gehe. Auch dass ich viele neue Menschen kennenlerne, ist für mich eine Bereicherung.“

Das Bewusstsein der Menschen wecken

Nebenbei erfährt Virginia Kunst viel über Nahrung. Wie können Lebensmittel länger haltbar gemacht werden? Wie werden sie am besten gelagert? Auch ihre Essgewohnheiten haben sich durch das Projekt verändert – positiv: „Ich richte meinen Essensplan nach den Lebensmitteln, die ich bekomme. In der Regel ist das ja umgekehrt. Meine Gerichte sind, seitdem ich Foodsharing betreibe, sehr abwechslungsreich und kreativ.“ Ein schöner Nebeneffekt, doch hauptsächlich geht es Kunst um eine Sache: „Ich möchte das Bewusstsein der Menschen wecken und mit Foodsharing ein bisschen die Welt verbessern.“