Duisburger sorgt sich um Bissingheims Niedergang

Kaum noch Einzelhandel, kein Lebensmittel-Nahversorger mehr, ein menschenleerer Dorfplatz: Herbert Scholzen ist als ehemaliger Bissingheimer (heute Huckinger) bestürzt über den Niedergang des Stadtteils.
Kaum noch Einzelhandel, kein Lebensmittel-Nahversorger mehr, ein menschenleerer Dorfplatz: Herbert Scholzen ist als ehemaliger Bissingheimer (heute Huckinger) bestürzt über den Niedergang des Stadtteils.
Foto: Stephan Glagla / Funke Foto Serv
Was wir bereits wissen
58 Jahre lang hat Herbert Scholzen in Bissigheim gelebt. Heute wundert er sich, wie es mit dem Dorfzentrum derart bergab gehen konnte.

Duisburg.. 58 Jahre lang hat Herbert Scholzen im Ortsteil gelebt. Er ist hier aufgewachsen und zur Schule gegangen, hat hier eine Familie gegründet. Im benachbarten Wedau hat er im Ausbesserungswerk der Bahn gearbeitet. Und auch im Vereinsleben war er verwurzelt. So war er sieben Jahre lang Zweiter Vorsitzender von ETuS Bissingheim. 2012 verschlug es ihn dann nach Huckingen. Wenn er heute auf den Dorfplatz kommt, wird ihm schlagartig bewusst, wie wenig hier noch los ist. Und er wundert sich, dass die Bissingheimer dem scheinbar tatenlos zusehen.

„Der Dorfplatz ist zwar 2010 barrierefrei umgebaut worden. Aber Leben ist hier trotzdem nicht mehr eingekehrt“, stellt er ernüchtert fest. Im Gegenteil. Trotz dieser Maßnahme der Stadterneuerung sei es mit dem Zentrum weiter bergab gegangen.

Kaum Barrierefreiheit

Der Lebensmittel-Nahversorger hat 2013 aufgegeben. Wenn man von Bäckerei und Metzgerei absieht, befinden sich am Dorfplatz fast nur noch Anbieter, die in einem überalterten Stadtteil ihr Auskommen finden: eine Lottoannahme, eine Postfiliale, eine Apotheke, neuerdings ein Bestatter. „Nur neuere Ladenlokale wie die Eisdiele und der Bestatter sind barrierefrei erreichbar, alle anderen Anbieter nicht“, sagt Scholzen. Dazu hätte nicht der Platz alleine umgestaltet werden müssen, sondern auch die Zugänge zu den Geschäften.

Und so wundert sich der Ex-Bissingheimer: „Wieso ist der dominierende Vermieter im Ort, die Deutsche Annington, in die Erneuerung des Stadtteils nicht eingebunden worden?“ Die Stadt könne doch nicht alleine alles tragen. „Warum wird das Ladenlokal des Nahversorgers nicht vergünstigt oder gar pachtfrei vermietet?“, fragt Scholzen weiter. Er sei schließlich der Dreh- und Angelpunkt am Dorfplatz gewesen. In Wedau jedenfalls gebe es immerhin noch einen Discounter in zentraler Lage.

Bissingheimer Dorfplatz durch Veranstaltungen beleben

„Warum haben sich mit der Annington nicht alle bedeutenden Kräfte im Ort, also Parteien und Vereine, an einen Tisch gesetzt?“, wundert sich Scholzen weiter. Man könnte den Dorfplatz mehrmals im Jahr durch Veranstaltungen beleben. Vielleicht, so seine Idee, könnte man ja auch Angebote wie Lebensmittel, ein Café, Post- und Bankdienste in einer Art Nachbarschaftsladen (neudeutsch: Convenience Shop) zusammenfassen.

An der Armut der Annington liege es wohl nicht, vermutet Herbert Scholzen. Denn von ihr hat er jahrelang gelesen, dass sie ein Unternehmen nach dem anderen hinzugekauft hat. „Ich konnte aber, solange ich Annington-Mieter war, nicht erkennen, dass sie ihre Gewinne in die Erhaltung und Modernisierung ih­rer Häuser gesteckt hat.“