Duisburg-Mündelheim wird zum essbaren Stadtteil

Beim Sommerfest am Wochenende stellte die Gruppe ihr Projekt zum ersten Mal öffentlich vor.Fotos:Franz Naskrent
Beim Sommerfest am Wochenende stellte die Gruppe ihr Projekt zum ersten Mal öffentlich vor.Fotos:Franz Naskrent
Foto: Funke Foto Services
Was wir bereits wissen
Eine Projektgruppe will ihren Stadtteil essbar machen: Bürger stellen Flächen zum Bepflanzen zur Verfügung; was drauf wächst, darf jeder ernten.

Mündelheim.. Die kleine Ida behütet vorsichtig die Tomatenpflanze, die sie gerade am Stand des Mündelheimer Bürgervereins geschenkt bekommen hat – „Die kommt bei uns erstmal ins Gewächshaus“, weiß Katja Trelenburg, die Mutter der kleinen Gärtnerin. Für ihre Pflanze sorgen will die Sechsjährige auf jeden Fall alleine, auch wenn Mutter Katja ab und zu „ein Auge darauf werfen“ wird. Genauso hatte es sich Renate Heyer vom Bürgerverein vorgestellt, die zusammen mit Peter Stukenborg die Aktion „Essbares Mündelheim“ ins Leben gerufen hat.

Die Idee stammt ursprünglich aus der englischen Kleinstadt Todmorden. Dort stellten Bürger Flächen für die Bepflanzung mit Obstbäumen, Beerensträuchern, Kräutern und Gemüse bereit. Zur Erntezeit darf sich dort jeder bedienen, in der Stadt gibt es praktisch „Nahrung zum Nulltarif“. Mittlerweile gibt es viele weitere „essbare“ Städte, eine der ersten in Deutschland war das rheinland-pfälzische Andernach.

Als Renate Heyer mit der Idee, so etwas auch in Mündelheim zu organisieren, auf den Bürgervereinsvorsitzenden Klaus Drechsler zukam, war der spontan bereit, dieses „interessante Projekt“ zu unterstützen. Beim Sommerfest des Bürgervereins am Wochenende warb die Projektgruppe „Essbares Mündelheim“ für ihre Idee und stellte das Konzept erstmals öffentlich vor.

Ein ähnliches Projekt gibt es schon im Kantpark

Die engagierte Mündelheimerin hatte sich zuvor auch bei der Gärtnergruppe im Kant-Park informiert, die dort in ähnlicher Weise vorgeht. Armin Jahn kümmert sich um die Organisation des Ganzen. Zuerst müssen Flächen für die Pflanzaktion gesammelt werden. Das können von Bürgern bereitgestellte Gartenflächen, Vorgärten oder auch öffentliche Freiflächen sein. Dann müssen Baum- und Pflanzenspender gefunden werden. Im Gartenbau erfahrene Helfer müssen ebenfalls rekrutiert werden, damit die Pflanz- und die später notwendigen Pflegeaktionen fachgerecht durchgeführt werden können.

Schon nach einer halben Stunde hatten sich mehr als zehn Mündelheimer in die Unterstützer-Liste eingetragen. Darunter war auch der Kommunalpolitiker Ercan Idik (SPD), der seine Verbindungen zur Verwaltung einbringen möchte, um das Ganze auch rechtlich abzusichern.

Die Organisatoren freuten sich, dass innerhalb kurzer Zeit 25 Kinder mit Tomatenpflanzen beschenkt werden konnten. Ihnen schwebt sowieso vor, Schulklassen und Kindergärten verstärkt einzubinden, um den Kids auf diese Weise die Natur nahezubringen. Aber auch die Mündelheimer Bürger sollen nicht nur kostenlos ernten können, auch das Zusammenleben vor Ort soll so gefördert werden. Renate Heyer hat da auch schon ihre Vorstellungen: „Man könnte ja zum Beispiel gemeinsam Marmelade kochen.“