Drei standhafte ‘Holzhacker’

Die Gründerväter des Clubs kleideten sich zeitgenössisch schick, auch mit weißen Schlägermützen.
Die Gründerväter des Clubs kleideten sich zeitgenössisch schick, auch mit weißen Schlägermützen.
Foto: WAZ
Was wir bereits wissen
1924 wurde der Huckinger Kegelclub gegründet. Bis ins 21. Jahrhundert hinein rollte die Kugel. Heute treffen sich drei Übriggebliebene immer noch regelmäßig auf ein Pils und alte Geschichten.

Huckingen..  Das Bierchen schmeckt den drei Übriggebliebenen des vor neunzig Jahren gegründeten Kegelclubs immer noch. Alle zwei Wochen treffen sich Friedhelm Scheuten, Heinz Schmitz und Klaus Laibold im Huckinger Angerstübchen. Die letzte Kugel rollte allerdings bereits im Jahr 2011.

„Viele Kegelbrüder sind im Laufe der Jahre verstorben, zuletzt waren wir nur noch zu fünft“, erläutert Klaus Laibold, mit 66 Jahren der jüngste der verbliebenen Ex-Kegler, den Grund für das aktive Aus vor vier Jahren. Das heute passive Treffen findet jeweils donnerstags statt, der Tag, der auch früher fest für das Kegeln reserviert war. Dann wird von alten Zeiten geschwärmt, als nach dem Kegeln noch lange nicht Schluss war und man meist erst gegen zwei Uhr nachts zu Hause eintrudelte. Die Geschichten drehen sich nicht nur um „Kranz Hand“, „Alle Neune“ und „Pudel“, sie spiegeln auch ein starkes Stück Zeitgeschichte wider.

Seit 1951 im Club

Angefangen hatte alles sechs Jahre nach Beendigung des Ersten Weltkrieges. Der Huckinger Wirt Wilhelm Verwey gründete 1924 die „Holzhacker“. Friedhelm Scheuten, seit 1951 im Club und mit 88 Jahren der Älteste der Runde, hat jede Menge alter Fotos dabei, die auch die Gründerväter – schick mit ihren weißen Schlägermützen – zeigen. Bis 1944 kegelte man im „Haus Verwey“, bis bei einem Luftangriff „die erste Bombe auf Huckingen ausgerechnet die Kegelbahn zerstörte“, berichtete der 86-jährige Heinz Schmitz.

Danach wurde erstmal in der Gaststätte Petermann weiter gekegelt. Der ehemalige Bestattungsunternehmer Friedhelm Scheuten erinnert sich gerne an die ersten Kegeltouren nach dem Krieg. Traditionelle Ziele waren die bekannten Ausflugsorte an Rhein, Ahr und Mosel. Als man 1952 zum ersten Mal Paris besuchte, „konnte man noch die ausgebrannten deutschen Panzer am Straßenrand sehen“. Ein Leuchten in Scheutens Augen ist nicht zu übersehen, wenn er sich an das Kulturprogramm erinnert: „Klar waren wir auch im ,Moulin Rouge’, sowas hatten wir doch vorher noch nie gesehen.“ Bereits 1955 war man beim Münchener Oktoberfest; Helgoland, Berlin, Mallorca mit Ballermann und sogar Norwegen lernte man im Rahmen der Club-Touren kennen. Die Holzhacker kegelten nicht nur, es wurde auch gemeinsam Lotto gespielt. Vom ersten größeren Gewinn ging’s 1972 nach Moskau und in das damalige Leningrad (heute St. Petersburg). Auch der bei Kegelclubs legendäre Sauerlandstern in Willingen wurde nicht ausgelassen.

Heute rollt die Kugel nebenan

Probleme mit den Ehefrauen gab’s nie. Die wurden ja schließlich zum Weihnachtskegeln eingeladen und waren auch bei den jährlichen Extra-Ausflügen dabei. Heute hören die drei bei ihren regelmäßigen Treffs im Angerstübchen nur noch die Kugel auf der benachbarten Kegelbahn rollen, aber ein gut gezapftes Pils und viele alte Geschichten gibt es zum Glück immer noch.