Drei Kulturen, eine Ausstellung

Dieser Termin gestern war einer, bei dem man ganz schön viel Fantasie entwickeln muss: Der Kunstverein Duisburg hatte zur Vorstellung seiner neuen Ausstellung „Falling into paradise“ geladen. Nur, dass noch nicht so viel fertig war. Dafür erklärten Kurator Hartmut Hauschildt und die beiden Künstler Zehnia Couso Martell und Amit Goffer umso lebendiger, worum es in der Ausstellung geht, die am Freitag, 26. Februar, um 14 Uhr im Kunsthaus am Weidenweg eröffnet wird.

Es geht um Gemeinsamkeiten und Unterschiede, wenn drei Kulturkreise aufeinander treffen. Denn Zehnia Couso Martell kommt aus Kuba, Amit Goffer aus Israel und beide leben nun in Deutschland. Hartmut Hauschildt hatte die Idee und brachte die beiden Künstler zusammen. „Ich habe mich dann sehr zurück genommen und die beiden machen lassen. Das ist sonst gar nicht so meine Art“, bekannte der Kunstvereinsvorstand mit einem Lächeln. Und die beiden Künstler? Kam ihnen ihr Ego bei der Gemeinschaftsausstellung nicht in die Quere? Klar, gab es heftige Diskussion, bis das Konzept stand, aber: „Wir kommen doch beide aus sehr kooperativen Ländern, auch wenn die politische Situation sehr unterschiedlich ist“, so Zehnia Couso Martell. Außerdem: „Wir kochen viel gemeinsam.“ Und das ist doch eine vernünftige Grundlage, um gemeinsam an der Ausstellung zu tüfteln. So verbindet nun ein Rohrsystem mit Spiegelungen vom Amit Goffer den L-förmigen Raum, wirkt wie ein Periskop, das immer wieder neue Perspektiven zeigt. Je nachdem, durch welche Öffnung der Besucher gerade blickt, welchen Winkel er wählt. So werden Ausblicke gewährt auf Pinatas mit Discokugel-Effekt und beispielsweise die verspiegelte kubanische Version des Sandmännchens, vielen hier aus dem DDR-Fernsehen bekannt, die Zehnia Couso Martell realisiert hat. Diese kombiniert sie mit ihrem Experimentalfilm, in dem sie Einheimische beim Blick auf Fremdes beobachtet hat, und Zeichnungen von Pinatas.

Amit Goffer wird ein Boot an Stahlseilen aufhängen, das auch betreten werden kann. Der Besucher verursacht so Bewegungen und kann sich selbst entscheiden, ob er sich in dieser Situation sicher fühlt, oder auch nicht. Die Anspielung auf die dramatische Situation Bootsflüchtlinge im Mittelmeer ist unübersehbar.

Was gestern noch nicht sichtbar war, soll aber bis zur Eröffnung erfahrbar sein. Der Ausstellungsraum wird abgedunkelt werden, die Objekte beider Künstler werden leuchten, das Licht wird sich verändern und damit auch die Blickweise auf die Kunstwerke. Auch wenn die beiden Kreativen bis Freitag vielleicht noch eine Nachtschicht einlegen müssen.