Diese Kirche hat eine echte Chance
06.12.2011 | 16:52 Uhr 2011-12-06T16:52:00+0100Hüttenheim.„Eine Markthalle wäre für uns nicht Frage gekommen. Mit einem Veranstaltungsort für Konzerte und Lesungen können wir uns anfreunden“, sagt Ursula Savarino. Die Verwaltungsleiterin der Gemeinde St. Judas Thaddäus ist mit der Waldorfschule im Gespräch. Die Schule will - wie berichtet - die Kirche Maria Himmelfahrt nutzen.
Die Idee mit der Markthalle stammt aus der 25 000 Euro teuren Machbarkeitsstudie, die das Architekturbüro Schaller & Theodor erstellt hat. Christian Schaller hat sich von dem Gewölbe des denkmalgeschützten Sakralbaus, den sein Vater Fritz Ende der 50er Jahre entworfen hat, inspirieren lassen. Die Gemeinde und an ihrer Seite das Bistum Essen favorisiert dagegen eine Nutzung, wie sie der Waldorfschule vorschwebt.
„Es wäre schön, wenn die Kirche mit neuem kulturellem Leben, mit Erwachsenen und Kindern, die Theater spielen und Musik machen, gefüllt wird“, so Georg Kronenberg, der Fachmann vom Bistum Essen, der sich seit geraumer Zeit mit dem Thema Umwidmung von Kirchen beschäftigt.
5000 Euro pro Monat
„Es war ein bisschen kalt“, sagt Evelyn Stifter vom Vorstand der Waldorfschule. Ansonsten hat Maria Himmelfahrt den Praxistest bestanden. Die Eltern und Kinder der Waldorfschule, die sich am Wochenende erstmals zur Monatsfeier in der seit Anfang 2008 geschlossenen Kirche getroffen haben, waren von der Atmosphäre dort angetan.
Nur ganz vereinzelt nutzt die Gemeinde oder die Caritas den wunderbaren, von Fritz Schaller entworfenen Innenraum. Rund 5000 Euro Unterhaltskosten fallen trotzdem jeden Monat an. Die Heizung läuft auf kleiner Flamme weiter, allein schon, um die wertvolle Orgel zu schützen. Versicherung und Grundabgaben werden fällig, das Grundstück muss instand gehalten werden.
Ob und wie die Waldorfschule diese Kosten überhaupt stemmen kann, wird zur Zeit geprüft. „Es mus sicher gestellt sein, dass die laufenden Ausgaben auf Dauer gedeckt werden können“, so Evelyn Stifter. Auf Sponsoren aus der Elternschaft, die möglicherweise abspringen, wenn ihre Kinder die Schulzeit beenden, will sich der Vorstand nicht verlassen. In manchen Bereichen, etwa wenn es um die Grundstückspflege geht, kann man sich vorstellen, dass Eltern und Kinder selbst anpacken anstatt einen Gärtner zu beschäftigen.
Die Schule, die vor rund einem Jahr von Düsseldorf nach Hüttenheim zog und zur Zeit 130 Kinder im Ganztagesbetrieb unterrichtet, sucht jedenfalls dringend nach einem festem Veranstaltungsort. Im eigenen Schulgebäude an der Heinrich-Briewes-Straße ist kein Platz für eine Aula. Theateraufführungen, Ausstellungen, Proben oder Musikunterricht könnten, wenn man sich einigt, demnächst in der Kirche an der Mündelheimer Straße stattfinden. „Das kulturelle Leben an unserer Schule ist sehr vielseitig. Aber es ist möglicherweise auch noch Platz für andere“, so Stifter.
„Wir sind ganz am Anfang. Es müssen noch viele Fragen geklärt werden“, erklärt Ursula Savarino. Reicht die Heizung aus? Muss ein zweiter Rettungsweg eingerichtet werden? Denn für eine Versammlungsstätte gelten andere Bestimmungen als für eine Kirche.
Die einzigartige Architektur der Kirche soll auf jeden Fall erhalten bleiben. Savarino: „Zwischendecken oder ähnliches kommen auf keinen Fall in Frage“. Und Georg Kronenberg meint: „Diese Kirche hat eine echte Chance verdient“.
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