Die „wilde Hilde“ wird 100

Die 100-Jährige freut sich auf die Festlichkeiten anlässig ihres Geburtstages – besonders auf die leckeren Torten.
Die 100-Jährige freut sich auf die Festlichkeiten anlässig ihres Geburtstages – besonders auf die leckeren Torten.
Foto: Lars Heidrich
Was wir bereits wissen
Die Wedauerin Hildegard Rosendahl feiert ihren 100. Geburtstag. Bevor die große Sause steigt, schwelgt sie in Erinnerungen. Ein Rückblick auf ein Jahrhundert.

Wedau..  Sie reißt die Arme in die Höhe und sagt: „So mache ich das. Jeden Morgen – um fit in den Tag zu starten.“ Sie, das ist Hildegard Rosendahl. Und sie feiert heute ihren 100. Geburtstag. Gefeiert wird in Wedau, dem Stadtteil, der genauso alt ist wie „Hilde“. Sie ist ein Kind der ersten Stunde. Selbstverständlich, dass sich prominenter Besuch angekündigt hat. Oberbürgermeister Sören Link kommt vorbei, um die lebensfrohe Dame zu beglückwünschen. Bevor die große Fete im Altersheim steigt, findet ein Gottesdienst in der evangelischen Gemeinde Wedau zu Ehren von „Hilde“ statt. Auf den Auftritt des Kirchenchors freut sich Rosendahl besonders, auch wenn sie zugeben muss: „Ich bin froh, wenn der ganze Rummel vorbei ist.“

83 Jahre lang schmetterte sie mit Leib und Seele im Chor mit. Mittlerweile hat sie die Bühne gegen die Zuschauerränge getauscht. „Ich vermisse den Chor sehr“, gesteht die 100-Jährige. Singen, das ist ihre große Leidenschaft, „das macht frei.“ Als Rosendahl damals an dem Bett ihres demenzkranken Mannes saß und er sie mit leerem Blick anschaute, half nur eins: „Sorgen und Kummer von der Seele singen.“ In ihrem Heim, dem Seniorenzentrum „Haus am See“, hält sie an ihrer großen Leidenschaft fest. Regelmäßig besucht sie die Gesangs-Gruppe. Doch damit nicht genug. Mit Bingospielen, Kegeln, Kochen, Gedächtnistraining und Gymnastik hält sich die dreifache Ur-Ur-Oma bei bester Gesundheit. Auch Fußballspiele von „diesen Schwarz-Gelben, wie heißen die noch gleich, BVB?“, schaut sie sich gerne an.

Mit Kreuzworträtseln fit bleiben

Jeden Tag startet Rosendahl aber zunächst mit dem Aufschlagen der Zeitung – auf der Seite mit den Kreuzworträtseln. „Dann wird mein Hirn erstmal wach“, erzählt sie und schlägt sich vor Lachen die Hände auf die Wangen. Lachen, das tut sie viel – besonders wenn sie von „Unfug“ von früher erzählt: „Als die Erde für die Regattabahn ausgebuddelt wurde, habe ich mit meinen Geschwistern viel Spuk gemacht. Dann haben wir uns einfach in die kleinen Wasser-Kuhlen gesetzt, bis uns jemand entdeckt hat.“ Das und Streiche wie Schellemännchen und die wilden Fahrten auf der Schiffschaukel auf dem Rummel gaben ihr die Bezeichnung: „Die wilde Hilde.“

Hilde, die Wilde, ging als Kind am liebsten in den Wedauer Wald. Dort kletterte sie auf einen Baum und beobachtete einen Schäfer, der seine Herde nach Buchholz trieb. Unbeobachtet blieb sie dabei nicht. „Schäfer Rotthaus war immer in Sorge, dass ich runterstürze“, erzählt Rosendahl und muss verschmitzt schmunzeln. Mit Geschichten konnte er sie runterlocken.

Entlocken lässt sich die 100-Jährige auch ihr Geheimrezept zum Altwerden: „Ein fester Glaube, ein fröhliches Herz, Singen und Zuversicht.“ Mindestens 17 Jahre hat die 100-Jährige noch vor sich. Ein Wahrsager sagte einst zu einem ihrer Brüder, dass er 117 Jahre alt werden würde. Bevor er krankheitsbedingt verstarb, sagte er zu seiner Schwester Hilde: „Die 117, die schaffst Du.“