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Der Spiegel der Konjunktur

25.04.2008 | 18:50 Uhr

Der Boom von Kohle und Stahl führte kurz vor dem Ersten Weltkrieg zum Bau des Ausbesserungswerks in Wedau.Aus der Abhängigkeit von der Industriekonjunktur konnte es sich jedoch nie lösen. Ende 2004 schlossen seine Tore

Anfang der 60er Jahre des vorigen Jahrhunderts übernahm Wedau die Instandsetzung der großen Schüttgut-Selbstentladewagen vom damals schließenden Werk Recklinghausen. Damit aber war es vollständig an die Konjunktur bei Kohle und Stahl gebunden. Bild: Deutsche Bundesbahn/Repro: Jürgen MetzendorfZur Ausbesserung der Güterwagen gehörten auch der Austausch und die Aufarbeitung ihrer Radsätze. Bild: Deutsche Bundesbahn/Repro: Metzendorf

THEMA: DAS FRÜHERE EISENBAHN-AUSBESSERUNGSWERK WEDAU Wo Kohle gefördert und Stahl gekocht wird, kann auf eine leistungsfähige Eisenbahn nicht verzichtet werden. Allein deshalb entwickelte sich das westliche Ruhrgebiet im 19. Jahrhundert auch zur Eisenbahn-Hochburg. Die zahlreichen benötigten Güterwagen wurden allerdings bis 1914 in Mülheim-Speldorf ausgebessert. Bis dahin war das Aufkommen jedoch so groß geworden, dass für die Güterwagen-Ausbesserung ein eigenes Werk errichtet wurde.

Seit 1890 gab es in Wedau, vor den Toren Duisburgs, einen Rangierbahnhof. Zwischen 1912 und 1914 wurde er erweitert. 1911 begannen dort auch die Arbeiten für die neue Königliche Eisenbahn-Hauptwerkstätte. Am 2. Januar 1914 konnte sie mit zunächst 300 Beschäftigten die Arbeit aufnehmen. Erster Werkdirektor ("Amtsvorstand") war Gustav Wagner bis 1921.

Bei Betriebsbeginn waren das Kesselhaus, das Hauptgebäude des Stofflagers, das Holzmagazin und das Verwaltungsgebäude fertig. Noch in Bau waren die Schmiede, die Richthalle, das Abortgebäude, die Badeanstalt, die Dienstwohnungen an der Werkstättenstraße und die Brücke über den Rangierbahnhof.

Schritt für Schritt wurde das Ausbesserungswerk erweitert: 1919 Dreherei und Schmiede, 1923 das Verwaltungsgebäude, 1924 um eine Halle für die Schnellausbesserung (später Aufnahmehalle). 1925 wurde die Richthalle vergrößert, 1933/34 für Hauptschaltanlage und Kompressor neu gebaut, 1936 eine Werkschule, 1938 eine Anstreicherei.

Im Ersten Weltkrieg wurden 100 Frauen eingestellt, um die zum Militär eingezogenen Arbeiter zu vertreten. Arbeiterunruhen nach dem Krieg und die Ruhrbesetzung ab 1923 erschwerten den Betrieb, der auf 720 Arbeiter angewachsen war. 1924 normalisierte sich die Lage. Das Werk zählte 1930 bereits 1 269 Arbeiter. 1932 mussten dann 400 Arbeiter entlassen werden. "1938/39 waren im RAW Wedau mehr als 1 600 Kräfte beschäftigt", heißt es in der Chronik.

Schon 1941 setzten erste Luftangriffe auf das Werk ein. Zerstört war es aber nicht, als im April 1945 US-Soldaten dort einrückten. Dafür waren die Werksanlagen teilweise geplündert worden. Das Werk stand vor einem Neubeginn. Schon im Sommer 1945 konnte es losgehen. "1949 hatte das Werk wieder den Vorkriegsstand erreicht", so die Chronik. 300 Güterwagen pro Woche konnten ausgebessert werden. Die Nachfrage war riesig.

Auch durch Übernahmen von anderen, schließenden Werken stieg die Belegschaft 1962 auf einen Höchststand von 2 325 Beschäftigten an. Bereits 1968 waren es aber nur noch 1 237 Personen. Die Stahlkrise an Rhein und Ruhr forderte ihren Tribut. 1983 war erstmals von einer Schließung des Werks Wedau die Rede. Ein langsamer Niedergang setzte ein. Im Januar 2005 übernahm das Werk Paderborn die letzten Wedauer Aufgaben.

Von Martin Kleinwächter

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