Der neue Straßenstrich

Ehingen..  Kaum ein Thema löste in diesem Jahr so starke Resonanz bei Lesern aus wie der neue Straßenstrich an der Mannesmannstraße. Die beiden Bürgervereine Ehingen und Mün­delheim hatten im Sommer Alarm geschlagen: Bis zu acht Prostituierte gleichzeitig warteten dort auf Freier, zu denen sie ins Auto steigen, mit ihnen in die nahen Seitenstraßen und -wege fahren und dort auch ins Gebüsch gehen würden. Entsprechende Hinterlassenschaften zeugten davon.

Anwohner waren empört, dass Schulkindern solche Anblicke zugemutet würden. Politiker von SPD und CDU forderten ein Einschreiten der Ordnungsbehörden. Die aber sehen kaum Handlungsmöglichkeiten. So müssten die Prostituierte und ihr Freier dabei schon im Gebüsch überrascht werden, um öffentlich Ärgernis zu erregen. Ansonsten sei die käufliche Liebe legal. Und die Ausweitung des Sperrbezirks sei ein langwieriges Verfahren, das zudem vor Gericht angefochten werden könne.

Die Grünen plädierten dafür, die Dinge hinzunehmen und die Ar­beitsbedingungen der Huren durch hygienische Einrichtungen zu verbessern.

Einzig die Hilfsorganisation Solwodi für Frauen in Notlagen gab im Gespräch mit dieser Zeitung zu bedenken, dass es sich um tragische Schicksale handele, wenn Frauen aus Südosteuropa diesen Weg gingen. Sie seien von Kindheit an dazu erzogen, Männern gefügig zu sein. Oftmals würden sie unter falschen Voraussetzungen nach Deutschland gelockt. Die gesundheitlichen Gefahren seien sowohl für sie als auch für die Freier groß. Es handele sich um eine moderne Form der Sklaverei, so Solwodi.