Den Winter vertreiben

Neuenkamp..  Der Wettergott, er war den Bewohnern der Siedlung am Rheinberger Ring am Ostersonntag wohl gesonnen. Denn die Angst der Anwohner, Sturm „Niklas“ könnte ihr Osterfeuer zunichte machen, erwies sich als unberechtigt: Nur selten bedeckte ein Wölkchen die Sonne, und selbst wenn sich der Himmel kurz ein wenig verdunkelte, tat es der ausgelassenen Stimmung beim alljährlichen Zusammenkommen in Neuenkamp keinen Abbruch.

Während die Kinder über die Wiese tollten, plauschten die Erwachsenen laut und fröhlich mit ihren Nachbarn an den aufgestellten Stehtischen und Bierzeltgarnituren. Rund 150 Leute kamen so am Feiertag zusammen, um zu sehen, wie der beachtliche Stapel an alten Industriepalletten zum Finale der Veranstaltung endlich entzündet wurde.

Mit von der Partie war am Sonntag Duisburgs Bürgermeister Manfred Osenger. In ungewohnt legerer Kleidung mischte sich der Politiker unter die Anwohner seiner Straße. „Natürlich bin ich hier in Zivil. Trotzdem ist es schön, mit den Bürgern den direkten Kontakt zu haben. Durch solche Veranstaltungen verschafft man sich ein Ohr an der Basis“, erklärt der SPD-Mann. „Außerdem wollen wir endlich den Winter aus Neuenkamp vertreiben“, fügt er mit einem Schmunzeln hinzu.

Beginn mit Holz vom Rheinufer

Seit 15 Jahren schon kommt die Nachbarschaft hier zusammen. Veranstaltet wird das Feuer allerdings nicht wie üblich von einer Kirchengemeinde, sondern von den Bürgervereinen Neuenkamp und Kaßlerfeld.

Ideengeber war Klaus Becker. Er zog vor 17 Jahren mit seiner Frau in die Siedlung. „Auf die Idee bin ich gekommen, weil damals aufgrund von Hochwasser extrem viel Holz am Rheinufer lag. Ich fand das schade, dass niemand Verwendung dafür hatte,“ erinnert sich der Rentner.

Holz vom Rheinufer wird heute nicht mehr verwendet, dennoch: Beckers Einfall erwies sich als erfolgreich. „Es geht hier ja auch weniger um Brauchtumspflege, sondern um das Gemeinschaftsgefühl. Und mittlerweile ist das Feuer ja fast schon Tradition hier in der Nachbarschaft“, erklärt er.

Und auch der erste Vorsitzende des Bürgervereins Neuenkamp, Sascha Westerhoven, findet, dass die Veranstaltung auch in diesem Jahr wieder gelungen ist: „Es ist jedes Jahr wieder schön.“

Als am Abend gegen 19.30 Uhr dann auch die Feuerwehr eintraf, erreichte das Beisammensein mit der Entzündung des Feuers den Höhepunkt. Untermalt vom Knacken des Holzes in den Flammen, ließen die Nachbarn entspannt den Feiertagsabend noch bis rund 22 Uhr ausklingen.