David in Dakar

Das ist die erste Kolumne, die ich nicht aus Dakar schreibe. Ich befinde mich gerade auf meiner Lieblingsliege am Strand vom Kombo Beach Hotel mit Blick auf den Atlantik in Gambia. Anders als in Dakar, sind der Strand und das Wasser sauber.

Wer sich nun fragt, was David in Gambia macht, sollte er doch eigentlich in Dakar Germanistik unterrichten, dem sei gesagt, dass an der Uni Osterferien sind. Ich wollte unbedingt einmal raus aus dem Senegal. Daher diese Reise, die uns 12 Stunden Bus- und Fährfahrt und jede Menge Wartezeit, vor der Grenze und an der Fähre, kostete. Dennoch bin ich sehr froh, dieses Abenteuer auf mich genommen zu haben. Hier kann ich Sachen tun, die in Dakar in dieser Form nicht möglich sind.

Die Studenten, alles Frankophone, tun sich aber sichtlich schwer mit dem Englischen, obgleich dieser Aufenthalt eigentlich als Sprachreise ausgeschrieben war. Hier zeigt sich eine Analogie zu den Franzosen, die lieber in ihrer Sprache parlieren. Am Mittwoch besuchten wir die University of Gambia in der Hauptstadt Banjul, die wohl einzige in Gambia. Danach waren wir in der National Assembly eingeladen, die wegen seiner Besucherkuppel an den deutschen Bundestag erinnert. Es gibt nur einen einzigen Oppositionellen in der National Assembly. Was sagt das über die Demokratie hier aus?

Gambia ist das kleinste Land in Kontinentalafrika und erstreckt sich wie ein Finger in das senegalesische Territorium. Es ist eines der wenigen Länder Westafrikas, die anglophon sind. Die Bevölkerung, deutlich unter zwei Millionen, besteht wie im Senegal aus Wolofs und Mandians. Viele Senegalesen behaupten, der einzige Unterschied dieser beiden Länder sei die Sprache.