David in Dakar

Die Flugzeugkatastrophe hat, wie berichtet, auch im Senegal für ein gewaltiges Echo gesorgt. Bis heute noch erhalte ich zahlreiche Bekundungen der Trauer und Anteilnahme von senegalesischen Freunden. Die Worte zeugen sie von echtem Mitgefühl. Ein Wert, die mir mancherorts in der westlichen Welt doch immer mehr fehlt. Man registriert leider allzu oft, manche fühlen mit, vielen ist aber einfach vieles egal geworden.

Es scheint mir, dass viele „Westler“ fast gleichgültig nach negativen, traurigen Erlebnissen zur Tagesordnung zurückkehren. Will man doch alles Negative von sich fern halten. Sicherlich ist das ein lebenswichtiger Wesenszug unserer Spezies. Aber sollte man sich nicht doch hüten, alles reflexartig von sich zuweisen? Kein Innehalten, zu keinem Moment?

Mein Eindruck hier ist, dass das Miteinander etwas menschlicher, entspannter und nicht so derbe zugeht. Die Senegalesen sind friedlicher, was auch in der Sprache und Gesten zum Ausdruck kommt. Hier wird selten beschimpft, geflucht und kritisiert. Man versucht Konflikte zu vermeiden oder bei einer Tasse Tee lang und breit zu besprechen. Ein „Alhamdulillah“, übersetzt Gott sei Dank, begleitet jeden positiven Beschluss und der Rest liegt eh einige Etagen höher. Inchalla. Das ist ein religiöser Ansatz.

Der Januskopf der Medaille ist, dass Konflikte fast nie offen angesprochen werden können, kein Hinterfragen der eigenen Praktiken geschieht und Ältere nicht kritisiert werden dürfen, da sie ja über mehr Lebenserfahrung verfügen.

Was steht sonst noch an? Heute gebe ich eine kleine Feier für Freunde und Bekannte. Wir werden ivorisch essen, das heißt einen speziellen Reis, Gemüse, scharfe Soße mit Fisch. Viele von meinen afrikanischen Freunden sind Ivorer.

Die Ivorer sind auch an meiner Uni zahlenmäßig die größte Minderheit. Das spiegelt sich unter den Deutsch-Studenten wieder. Die Hälfte von ihnen kommt aus der Elfenbeinküste.

Ständig laden sie mich in ihr Heimatland ein. Dieses Jahr schaffe ich es aber nicht, ins Land der Elefanten zu reisen, da noch bis zum Semesterende im Juli aller Hand zu tun ist. Außerdem steht nächste Woche ja die langersehnte Gambia-Reise an. Nächsten Samstag gibt es dann „Bieber in Banjul“, anstatt „David in Dakar“.