David in Dakar

Überwältigende Eindrücke, tolle Bilder und grandiose Menschen. Wenig Essen, keine Duschen und mangelnde Hygiene. In diesem Gegensatzpaar lässt sich mein erster und bestimmt nicht letzter Trip in die Savanne beschreiben. Am vergangenen Samstag machte ich mich mit Abdou, meinem senegalesischen Freund, auf, um sein Heimatdorf Bambey-Serere zu erkunden. Bambey-Serere ist rund 120 Kilometer östlich von Dakar gelegen und nur mit einem Reisebus erreichbar, der aber vier Stunden braucht, da er alle zehn Minuten Passagiere aufnimmt. Bambey-Serere ist der wirkliche Senegal, den ich aus Dakar ja gar nicht kenne. Hier bin ich umgeben von Internet, gutem Essen, Sicherheit und Hygiene. In Abdous Dorf lebt man in Holzhütten, mit einer 20-köpfigen Familie und Tieren zusammen auf engstem Raum. Abdou und ich teilten uns ein Bett, aßen zusammen, er stellte mich als seinen deutschen Bruder vor.

Morgens, als der Muezzin uns weckte und zum ersten Gebet rief, begann unser Tag. Ich genoss die morgendliche Frische, Abdou betete in seiner Moschee, unweit unserer Behausung. Sein Vater, ein netter Mensch, der mir viermal am Tag die Hand schüttelte, ist dort Iman. Im profanen Leben arbeitet er als Bäcker. Die Kommunikation mit Abdous Familie verlief schwierig, da wenig Französisch gesprochen wird und mein Wolof noch nicht wirklich ausreicht. Danach legten wir uns wieder kurz hin. Gegen 7.30 Uhr aßen wir zusammen. Die Schwester reichte uns das Frühstück. Das Merkmal jeder Mahlzeit: der senegalesische Couscous. Wir aßen das Hühnchen, das mir kurz vorher noch über den Weg gelaufen war.

Abdou ermöglichte mir viel, seine große Familie, wirklich arme Menschen, aber voller Würde, Stolz und Anstand, schenkte mir Fotos, Armbänder und Decken als Gastgeschenk. Im Senegal wird viel geschenkt. Ich brachte Tafeln Schokolade aus Deutschland mit, das war der Renner. Am Sonntag schaute ich das sehenswerte Finale der Afrikameisterschaften, das erst im Elfmeterschießen entschieden wurde, mit Abdous Familie und anderen Dorfbewohnern. Hier hat nicht jeder einen Fernseher. Public Viewing ist hier kein Happening, sondern Ausdruck von Solidarität. David Bieber