David in Dakar David Bieber

Manche Studenten, die ich an der Uni in Dakar in Deutsch unterrichte, sind nach rund neun Monaten, in der Lage mit Deutschen längere Diskussionen zu führen wie die Konversationen während unseres Deutsch-Tages beweisen. Der erste Schritt ist getan, der nächste muss folgen. Denn in geraumer Zeit sollen die hiesigen Studenten an deutsche Universitäten gehen. Mal sehen, inwiefern sich diese Vision realisieren lässt. Denn meine Teilzeit-Germanisten sind keineswegs Studenten der Germanistik, sondern belegen Deutsch „nur“ als Sprachkurs. Und Deutsch als Fremdsprache ist bekanntlich schwer zu lernen. Im Vergleich zu den echten Germanistikstudenten der öffentlichen Universität in Dakar sind sie sprachlich aber durchaus in der Lage zu konkurrieren. Die öffentliche Université Cheikh Anta Diop ist die größte Uni in den Sahel-Ländern mit über 80 000 Studenten, die den Campus überschwemmen und dafür sorgen, dass Seminarräume aus allen Nähten platzten. Kommt irgendwie bekannt vor, oder? Gelegentlich werfen sie auch Steine, um gegen die aus ihren Augen ungerechte Bildungspolitik zu protestieren. Verblüffender weise besteht das Gros der Protestierenden jedoch nicht aus Studenten, wie man annehmen könnte, sondern aus eingekauften Krawallmachern, die sich für nur wenige Cents mobilisieren lassen. Die Studenten am CESAG, alle aus gut betuchten Familien oder Stipendiaten, sind dagegen zurückhaltend, was das Protestieren anbelangt. Zurückhaltend sind sie aber nicht, wenn es darum geht, die Einwohnerzahl der Bundesrepublik Deutschland zu unterschätzen oder gar zu reduzieren. In Klausuren liest man öfters, dass bei uns tatsächlich nur 17 Millionen Menschen leben sollten. Das galt vielleicht damals für den anderen deutschen Staat jenseits der Mauer. Was gab‘s sonst? Ich erhielt diese Woche ganz unverhofft meine Medaille und sogar 15 Euro für meinen Erfolg im November bei den nationalen Tischtennismeisterschaften.