Das Märchen von den Ostereiern

Ostern wird nie wieder dasselbe sein. Der Eierzauber meiner Kindheit, er ist unwiederbringlich verloren. Wenigstens hatten meine Eltern den Anstand, die Illusion aufrechtzuerhalten, solange ich klein war. Aber der Reihe nach. Die Eiersuche spielte sich in meiner Familie im nahegelegenen Wald ab. Immerhin anderthalb Stunden dauert der sonntägliche Spaziergang schon ohne Suchen, Bücken, Sammeln. Am Ostersonntag dauerte er bestimmt doppelt solange. Schließlich wollte und musste ich suchen, mich bücken, einsammeln. Und der Osterhase, so schien es mir, war anscheinend hinter jeden einzelnen Baum im ganzen Wald gehoppelt, um seine eierförmige Fracht hinter den dicken Stämmen zu deponieren. Stolz präsentierte ich meine Beute den staunenden Eltern, die hilfsbereit anboten, grüne, gelbe, braune, rote Schokoeier für mich einzustecken. Schließlich sollte ich ja die Hände frei haben für die Funde hinter den nächsten Bäumen.


An dieses Märchen habe ich mein Leben lang geglaubt. Bis sich meine Eltern am letzten Osterfest verplapperten: „Weißt Du noch, wie wir die Eier immer neu versteckt haben?“ Nein, wusste ich nicht. Ostern wird nie wieder dasselbe sein.