Comics aus Japan in Großenbaum

Manga-Comics werden in Deutschland immer beliebter.
Manga-Comics werden in Deutschland immer beliebter.
Foto: FUNKE Foto Services
Was wir bereits wissen
In der Stadtteil-Bibliothek fand jetzt ein Workshop im Manga-Zeichnen statt

Großenbaum..  In der Schul- und Stadtteilbibliothek Gesamtschule Süd ist ein zwei Meter breites Regal nur für Manga-Comics reserviert. Da die japanischen Comics bei Kindern und Jugendlichen immer beliebter werden, sind in dem Regal selten alle Bücher an ihrem Platz. Elf Mädchen und zwei Jungen sitzen hier an Tischen. Sie sind gekommen, um sich von Profi-Zeichnerin Jen Sartora erklären zu lassen, wie sie ihre Comic-Helden auf Papier bringen können.

Bevor es los geht, tauschen sich die Neun- bis 14-Jährigen noch über ihre Manga-Kenntnisse aus. „Ich habe ein Grafik-Tablet, mit dem ich Mangas zeichne“, erzählt die 13-jährige Jenny. Stolz hält sie eines ihrer Bilder hoch. Ihre Freundin Leonie hat noch keine Mangas gezeichnet. Das soll sich nun ändern.

Verschiedene Zeichenstile

Einige Teilnehmer haben ihre Manga-Bücher oder ganze Ordner mit ihren Zeichnungen mitgebracht. Jen Sartora schaut sich die Mitbringsel genau an und erkundigt sich bei den Teilnehmern nach ihren Lieblings-Mangas: „Ich kann immer dazulernen und neue Sachen für mich entdecken“, sagt die Zeichnerin.

Jen Sartora ist die Arbeit mit Jugendlichen gewöhnt. 2004 gründete sie die Comic-Zeichenschule in Moers und unterrichtet seitdem die Kunst des Manga-Zeichnens.

Die Kinder und Jugendlichen sitzen konzentriert mit dem Bleistift in der Hand vor ihren noch leeren Blättern. Sie versuchen, ein Auge zu zeichnen. Nach ein paar Minuten werden erste Skizzen besprochen. Jen Sartora gibt einige Ratschläge und die Teilnehmer machen sich wieder ans Werk.

Phantasie-Welten als Erfolgsgeheimnis

Es gibt verschiedene Stile, Mangas zu zeichnen. Der Shonen-Stil etwa ist eine Möglichkeit. „Shonen“ heißt Junge auf japanisch. Diese Mangas sind demnach für Jungen gedacht. „Zackige Haare und muskulöse, aber kantige Figuren sind Elemente des Stils“, weiß Jen Sartora. Die Serie „Dragon-Ball“ ist ein Beispiel dafür. Auf der anderen Seite gibt es den Shojo-Stil. „Shojo“ ist das japanische Wort für Mädchen. Große, runde Augen und ausdrucksstarke Haare sind typisch dafür. Die Farbe der Haare hat sogar eine Bedeutung, so steht zum Beispiel grün für eine freche, quirlige Person, die manchmal sogar übersinnliche Fähigkeiten hat. „Die Bedeutungen kann man wie Vokabeln lernen“, sagt Sartora.

Doch woher genau kommt dieser verrückte Trend überhaupt? „Japan ist ein traditionelles Land mit strengen Regeln. Durch das Zeichnen können sich die Japaner ausdrücken“, erklärt Jen Sartora. Die Charaktere flippen in Mangas regelrecht aus, ihre Emotionen seien oft übertrieben. Genau das gefällt der 13-jährigen Rebecca: „Durch das Manga-Zeichnen kann ich meine Gefühle ausdrücken.“

Die verrückten Phantasie-Welten aus Japan gibt es nach Jen Sartora in deutschen Comics nicht. Darin sieht sie einen Grund für den wachsenden Erfolg der Mangas.