Bürgerverein will Idylle am Angerbach erhalten

Zur Zeit noch sehr idyllisch: Die Grünfläche Am Alten Angerbach zwischen U-Bahnhaltestelle Kesselsberg und Antweiler Straße soll bebaut werden.
Zur Zeit noch sehr idyllisch: Die Grünfläche Am Alten Angerbach zwischen U-Bahnhaltestelle Kesselsberg und Antweiler Straße soll bebaut werden.
Foto: Fabian Strauch / FUNKE FotoServi
In einem Offenen Brief sprechen sich Huckinger Bürger gegen das geplante Bebauungsgebiet aus. Sie zweifeln den Bedarf an weiteren Eigenheimen an und fordern Kostenaufstellung für die Infrastruktur

Huckingen..  An einem sonnigen Herbsttag wie diesem erscheint die Idylle am Alten Angerbach im besten Licht. Spaziergänger und Radler genießen vom Rad- und Wanderweg parallel zum Bach den Blick auf das weite Feld bis hinüber zum St.-Anna-Krankenhaus. Der Wind bringt die bunten Blätter in den Linden und Birken zum Rauschen, auf der anderen Seite des Angerbachs grasen Pferde. Klar, dass eine solche Parzelle potenzielle Bauherren reizt. Der Huckinger Bürgerverein will allerdings eine Bebauung verhindern (wir berichteten). Lothar Peters, der Vorsitzende, zweifelt den Bedarf an weiteren Eigenheimen in Huckingen an. Er fordert die Stadt deshalb jetzt in einem Offenen Brief auf, ein unabhängiges Gutachten in Auftrag zu geben.

„Wir wollen verhindern, dass ein Bebauungsplan für den Alten Angerbach auf die Schnelle durchgepaukt wird“, so Peters. Die Stadt bereitet diesen Bebauungsplan zur Zeit vor, sie lässt das Gelände nach archäologischen Überresten und Bomben aus dem Zweiten Weltkrieg absuchen.

Das geforderte Gutachten soll die mittel- und langfristige Bevölkerungsentwicklung erfassen. Außerdem sollen die Ausgaben für Infrastruktur genau ermittelt werden. Als Negativbeispiel führt Peters die „Weiße Siedlung“ an der Remberger Straße an. Dort wurde im September 2014 der Spatenstich für 18 Familienhäuser zelebriert. „Dafür ist die Stadt in Vorleistung getreten, hat die ganze Infrastruktur geschaffen. Ausgehoben ist eine einzige Baugrube“, so Peters. Ende 2015 sollten die Häuser eigentlich stehen.

Das anvisierte Neubaugebiet Am Alten Angerbach erstreckt sich vom U-Bahnhof Kesselsberg in Richtung Hermann-Spillecke/Antweiler-Straße. Es gehört der Stadt. Der Bürgerverein wirft den Verantwortlichen vor, in der Hoffnung auf finanziellen Profit durch Grundstücksverkauf und die Ansiedlung zahlungskräftiger Neubürger nun auch noch „eine der wenigen großen und unbelasteten Flächen im Duisburger Süden“ zu opfern.

„Hohes Tempo in der Umsetzung gegen den Willen der Bürger statt Diskussion mit den Bürgern“ kreidet Peters an. Ein zwischenzeitlich angekündigter Bürger-Workshop zur Gestaltung des Neubaugebiets sei Mitte September von der Stadt kurzfristig abgesagt worden. Die im Bebauungsplan-Verfahren vorgeschriebene Bürgerbeteiligung sei keinesfalls ausreichend. „Huckingen hat mit dem bereits vorhandenen Neubaugebiet Angerbogen seinen Anteil an der Erschließung von Baugrundstücken mehr als erfüllt“, meint Peters. Grundsätzlich habe man nichts gegen eine Bebauung in vorhandenen Strukturen. Aber der Alte Angerbach als Frischluftschneise müsse erhalten bleiben.

Während die Stadt stets die Mehreinnahmen durch den Verkauf an finanzkräftige Bauherren betone, werde die Kostenseite „grob vernachlässigt“. Der Bürgerverein will die Kosten für Ausbau und Pflege von Straßen, Kanalisation, Versorgungsleitungen, zusätzlichen Kindergärten und Schulen klären.

Peters hofft, mit dem Offenen Brief die Diskussion in Gang zu halten. Ansonsten würde „ohne harte Fakten, allein aufgrund vager Glaubensbekenntnisse über die Köpfe der Bürger hinweg entschieden“.

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